Welche Orte sich an Australiens Ostküste lohnen

Auch wenn Sydney von Anfang an mein Herz erobert hat: Australiens Ostküste ist mehr als Opernhaus und Harbour Bridge. 2 Wochen dauerte meine Reise von Nord nach Süd. An diese Orte erinnere ich mich nach meiner Rückkehr immer wieder gerne.
Cape Tribulation: Wo Regenwald auf Riff trifft
Am Cape Tribulation, einer dünn besiedelten Landzunge im Norden Queenslands, trifft der Daintree Regenwald direkt auf das Great Barrier Reef. Nur wenige Schritte brauche ich, um aus dichter Bewaldung heraus auf den feinen Sand zu treten und auf den Pazifik zu blicken.
Mit einem geschätzten Alter von 135 bis 180 Millionen Jahren gilt der Daintree als der älteste kontinuierlich existierende tropische Regenwald der Welt. Er ist damit weitaus älter als der Amazonas-Regenwald und stammt aus der Zeit der Dinosaurier.
Nach Cape Tribulation gelange ich auf kleinen Nebenstraßen, die direkt durch den Regenwald führen. Auf Holzstegen, die von der Straße aus erreichbar sind, duftet es nach feuchter Erde und Eukalyptus. Die Strände wirken durch die Nähe zur dichten Bewaldung und dem teils tosenden Meer zugleich wild und friedlich. Oft sind sie fast menschenleer.
Cairns: Tor zum Great Barrier Reef
In Cairns herrscht an der Marina schon morgens geschäftiges Treiben. Hier fahren die Ausflugsschiffe ab – meistens weit raus ans äußere Ende des Riffs, wo von Schnorcheln über Tauchen und Helikopterflügen alles möglich ist. Auch ich habe hier alle drei Aktivitäten ausprobiert: Die Erlebnisse gehören zu den einprägsamsten meiner Reise. Korallengärten, Schildkröten, manchmal Riffhaie in der Tiefe ... Ein Tag am Great Barrier Reef bleibt unvergesslich, auch wenn viele der Korallen mittlerweile ausgeblichen sind. Ob der Klimwandel dafür verantwortlich ist, oder ob es sich um eine natürliche Entwicklung handelt, bleibt bis heute unklar.
Nach meiner Rückkehr schlendere ich zur Esplanade, der Vorzeigestraße von Cairns direkt an der Lagune. Hier gehen die Menschen schwimmen, essen Streetfood und genießen die Abendstimmung. Und ich bekomme einen Eindruck vom australischen Lebensgefühl: Auf den Wellen reiten, in Flip Flops (hier nennt man sie „Thongs”) das Steak auf dem Grill beim „Barbie” (BBQ) umdrehen und in den Bars ein kühles Pale Ale trinken.
K’gari: Sandinsel mit fotogenem Schiffswrack
Fraser Island, die größte Sandinsel der Welt, wurde im Juni 2023 offiziell in K'gari umbenannt. Das kulturelle Erbe der Butchulla, der traditionellen Besitzer der Insel, sollte so anerkannt und wiederhergestellt werden.
K’gari wirkt wie eine eigene Welt aus Sand, Wald und Süßwasser. Hier knirschen die feinen Körner sogar auf Waldwegen unter meinen Füßen. Und der Süßwassersee Lake McKenzie überrascht mit fast unwirklich klarem, blauem Wasser. Der erfrischende Sprung hinein entlohnt für stundenlange Fahrten über die Sandpisten der Insel.
Der 75 Mile Beach ist trotz seines Namens nicht 75 Meilen, sondern etwa 75 Kilometer lang und fungiert als sandige Allradantrieb-Autobahn. Für die gesamte Strecke benötige ich mit dem Auto etwa 3,5 Stunden. Für ein Foto stoppe ich am Maheno-Schiffswrack. Der ehemalige Luxusliner fungierte während des Ersten Weltkriegs als Krankenhausschiff. 1935 sollte er in Japan verschrottet werden. Er schaffte es jedoch nur bis K’gari, wo er während eines Wirbelsturms strandete.
Byron Bay: Surfen und Sonnenaufgänge
Barfuß in eins der zahlreichen Cafés, ein paar Stunden am Laptop arbeiten, dann mit Surfbrett an den Strand: das ist der Lebensstil in Byron Bay. Der Ort ist bekannt für seine entspannte Strandkultur, eine felsige Küstenlandschaft und … als Wohnort von Schauspieler Chris Hemsworth.
Hier kann es also passieren, dass ich „Thor“ auf dem Weg zum Cape Byron Lighthouse begegne – leider ist es dann doch nicht passiert. Aber der Weg war dennoch ein absolutes Highlight. Als einer der schönsten Küstenwege wird er von zahlreichen Aussichtspunkten gesäumt. Mit jedem Stopp wird die Sicht weiter.
Ein Sonnenaufgang am Leuchtturm bleibt lange im Gedächtnis. Wenn unterhalb der Klippen auch noch Delfine durch die Wellen brechen ist der Moment perfekt! Zwischen Juni und November lassen sich vor Byron Bays Küste zudem Wale beobachten.
Stockton Sand Dunes: Wüste am Meer
In den Stockton Dünen trifft Wüste plötzlich auf Ozean. Oben auf den Kämmen pfeift der Wind, unten rauscht die Brandung. Die größten wandernden Küstendünen der südlichen Hemisphäre erstrecken sich über 32 Kilometer und erreichen Höhen von über 30 Metern.
Mit dem Geländewagen durch die Dünen zu fahren, hat etwas Surreales. Die Landschaft verändert sich ständig, jede Düne sieht anders aus. Das größte Abenteuer war für mich das Sandboarding – ja, wie Snowboarding, nur auf Sand. Hier befinde ich mich ständig zwischen Adrenalinschock und Lachen. Und im Moment vor dem Start wirkt die Düne immer steiler, als sie von unten aussah.
Von ihrer spektakulärsten Seite zeigt sich die Dünenlandschaft übrigens kurz vor Sonnenuntergang, wenn sich der Sand goldrosa färbt. Mit Glück fange ich auf einem Foto genau in diesem Moment in der Ferne noch eine Kamelkolonne ein. Und beinahe glaube ich, ich wäre nicht in Australien, sondern in der Wüste Dubais.
Blue Mountains: Buschwandern für Einsteiger
Ein Tag in den Blue Mountains fühlt sich wie eine grüner, kühler Kurzurlaub an. Das ausgedehnte Sandsteinplateau ist überwiegend von trockenen Hartlaub-Eukalyptuswäldern bedeckt. In den tiefen Schluchten und Tälern finden sich jedoch feuchte Regenwaldgebiete mit Baumfarnen und Moosen. Der Duft von Eukalyptus hängt über Tälern, die sich endlos ausbreiten.
Ihre Lage in Sydneys Hinterland hat den Blue Mountains den Ruf eines Mekkas für Buschwanderneulinge eingeheimst. Von Australiens größter Stadt komme ich auch ohne Auto bequem in den Regenwald – nach Katoomba, wo die Bahn hält.
Natürlich ist der Ort entsprechend touristisch. Ich finde dennoch ruhigere Pfade durch die Natur und der erste Blick auf die Three Sisters beeindruckt auch trotz Touristen, die um mich herum ihre Kameras zücken. Die Felsformation wirkt je nach Lichtstimmung immer wieder anders. Am besten betrachtet man die Three Sisters, wenn die letzten Sonnenstrahlen sie in ein tiefes Orange und helles Rot tauchen. Viele Touristen sind dann bereits auf dem Rückweg in die Stadt und der überlaufene Aussichtspunkt Echo Point leert sich.
Auf den zahlreichen Wanderwegen rund um Katoomba wechseln sich Stufen, Felsvorsprünge und kleine Wasserfälle ab. Im Bann der Natur ist der Alltagstrubel schnell vergessen und Pflanz- und Tierbeobachtungen stehen im Vordergrund. Hier genieße ich einen der schönsten Ausblicke – am Fuße eines Wasserfalls auf einem Felsvorsprung. Langsam nähere ich mich dem Rande des Felsens, um einen Blick in die Tiefe zu wagen. Vor mir erstrecken sich weite vom Regenwald bedeckte Täler, über denen feuchte Nebelschwaden hängen. Sie lassen das Ganze mystisch wirken – und ich fühle mich frei.