Stadt, Land, Fluss – na gewusst? Redensarten und deren Bedeutung

13.11.2017

Zu fast jedem Thema oder jeder Situation gibt es einen passenden wie flotten Spruch, der es in den regulären Sprachgebrauch geschafft hat. Oftmals historisch gewachsen, sind hierzulande auch zahlreiche Städte, Länder und Flüsse mit dabei. Jeder kennt die Floskeln, wenn auch der Ursprung oftmals schleierhaft bleibt. Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären, was genau es mit diesen Redensarten auf sich hat.

1. Gang nach Canossa

Wenn man jemandem reumütig etwas beichten muss, begibt man sich redensartlich auf einen „Gang nach Canossa“. Aber was hat die italienische Burg am Rande des Appenin-Gebirgszuges zwischen den Städten Bologna und Parma, die heute eine Ruine ist, damit zu tun? Berühmtheit erlangte die ehemalige Festung durch den bekannten historischen „Gang nach Canossa“. Gemeint ist dabei der Italienzug von König Heinrich IV. im 11. Jahrhundert. Er wollte eine Allianz von Papst Gregor VII. mit den deutschen Fürsten verhindern. Auf seinem Weg nach Augsburg suchte der Papst Zuflucht in der Burg der treuen Marktgräfin Mathilde von Tuszien. Heinrich IV. wiederum eilte zur Festung, um vom Papst eine Lösung vom Kirchenbann zu erhalten. Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, ob es zum Ritual der Kirchenbuße kam. Demnach musste ein schwerer Sünder öffentlich die eigene Schuld eingestehen. Daher auch die heutige Bedeutung – eine unterwürfige Entschuldigung mit Bitte um Vergebung.

 

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Die Festung Canossa ist heute eine Ruine und der Gang dorthin war und ist nicht die einfachste Aufgabe.

2. Eulen nach Athen tragen

Der Ursprung dieser Redensart ist antik. Der griechische Dichter Aristophanes schreibt in der satirischen Komödie „Die Vögel“ über eine herbeifliegende Eule: „Wer hat die Eule nach Athen gebracht?“ Diese Vogelart war damals das Symbol der Göttin Athene. Die Eule – insbesondere der Steinkauz – stand für Klugheit. Es ist also wahrscheinlich, dass die geflügelten Worte „Eulen nach Athen tragen“ auf die unsinnige Tätigkeit abzielen, Weisheit in die Stadt zu tragen. Allerdings zierte das Tier auch Silbermünzen. Daher gibt es auch den Ansatz nach Aristoteles, nachdem es überflüssig ist, Silbermünzen (mit Eulendarstellung) in die reiche Stadt Athen zu schicken. Aristoteles schrieb etwa: „An Eulen wird es nie mangeln“.

 

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Eulen sind das Symbol der griechischen Gottheit Athene – auf der Akropolis thront ihr Tempel auch heute noch eindrucksvoll.

3. Sodom und Gomorra

Das geht hier zu wie in „Sodom und Gomorra“. Die Städtenamen fallen des Öfteren, wenn Unordnung, Sittenlosigkeit und Ausschweifung im Raum stehen. Aber warum werden genau diese beiden Städte mit diesen negativen Attributen in Verbindung gebracht? Fündig wird man in der Bibel. Darin werden Sodom und Gomorra folgendermaßen beschrieben: „Dass ihre Sünden gen Himmel schrien.“ Nach den Erzählungen des Alten Testaments lebten dort die Leute in purer Anarchie und achteten keinerlei Gesetze. Deswegen beschloss Gott, diesem sittenlosen Treiben ein Ende zu setzen und zerstörte die Städte mit Feuer und Schwefel. Diese Geschichte könnte durchaus einen wahren Hintergrund haben. Fündig wurden Archäologen am Toten Meer in Jordanien. Dort ist man bereits vor Jahren auf Grundmauern einer Stadt gestoßen, die weiterhin rätselhaft bleibt. So wurden Mauerreste mit Aschespuren, verbrannte Steine und Scherben mit Rußspuren gefunden – kurz: Anzeichen für ein enormes Feuer. Ob es sich hierbei um Reste der biblischen Städte handelt, konnte bisher nicht geklärt werden. Auch die Ursache des Flammenmeeres bleibt offen.

In Sodom und Gomorra konnten nicht einmal zehn „Gerechte“ gefunden werden – daher machte Gott die Sündenpools mit Feuer und Schwefel dem Erdboden gleich.

4. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut

Die ewige Stadt hat es in einige Redewendungen geschafft. Nicht nur alle Wegen führen dorthin, auch die dortigen Zustände sind berühmt berüchtigt. Im Alltag trifft man auch immer wieder auf diese Formulierung: „Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.“ Was steckt dahinter? Wenn es hektisch wird und sich Ungeduld aufbaut, wird häufig mit genau diesen Worten beschwichtigt und zur nötigen Ruhe aufgerufen. Weitläufig kann man auch ein anderes Sprichwort in diesem Zusammenhang nennen: „Gut Ding will Weile haben.“ Schließlich gab es auch schon vor der Gründung Roms 753 v. Chr. Siedlungen auf den sieben Hügeln der Stadt. Am Ende entstand ein Weltreich mit enormen Ausmaßen. Von daher sollte wirklich niemand in Hektik verfallen!

 

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Oh wunderschönes Rom – auch du wurdest nicht an einem Tag gebaut!

5. Bielefeld gibt es nicht

Die Mutter aller Fake-News ist diese Aussage: „Bielefeld? Das gibt es doch gar nicht.“ Die sogenannte „Bielefeld-Verschwörung“ gibt es seit nun mehr als zwei Jahrzehnten. Die perfekte satirische Plattform dafür war selbstverständlich das Internet – mit all seinen Möglichkeiten. Wie kam es dazu? Der Kieler Informatikstudent Achim Held hatte diese These 1994 aus einer Bierlaune heraus im World Wide Web verbreitetet. Die „Schnapsidee“ lautete, dass es sich bei Bielefeld lediglich um eine geheime Militärbasis handle. Aber wie kam der Held auf diese Idee? Er stellte seinen Kommilitoninnen und Kommilitonen drei einfache Fragen. 1. Stammst du aus Bielefeld? 2. Warst du schon einmal in Bielefeld? 3. Kennst du jemanden, der jemand kennt, der diese Frage mit „Ja“ beantworten könnte? Die Antwort „Nein“ dominierte bei allen Fragen, was für Achim Held nur dieses einen Schluss zuließ. In diesem Jahr zeigte sich der Initiator der Bielefeld-Verschwörung aber einsichtig. Das Social-Media-Portal Facebook lieferte stichhaltige Beweise, die nach langen Jahren nun auch den letzten und ersten Zweifler überzeugten. Reumütig musste Achim Held die Mutter aller Fake-News als Lüge enttarnen – mit einem Augenzwinkern …

 

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Hier der Beweis – und es gibt sie doch: Die Stadt Bielefeld!

6. Wasser in den Rhein tragen

Der längste Fluss durch Deutschland ist Pate einer weiteren Redewendung – der mächtige und wasserreiche Rhein. Die Phrase „Wasser in den Rhein tragen“ steht sinnbildlich für sinnloses oder überflüssiges Handeln. Abwandlungen finden sich auch mit anderen Flussnamen.

 

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Wasser im Überfluss – daher muss wirklich niemand das Nass genau dorthin tragen.

7. Jemanden in die Wüste schicken

Auch diese Aussage hat ihren Ursprung in der Bibel: „Jemanden in die Wüste schicken.“ Genauer gesagt stammt sie aus dem 3. Buch Mose aus dem Alten Testament. Darin wurden einem Ziegenbock alle Sünden des jüdischen Volkes aufgeladen. Mit diesen wurde das Tier in die Wüste geschickt.

Heute wird dieser Spruch häufig verwendet, wenn jemand umgangssprachlich einen anderen wegschickt oder entlässt.

 

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Ja der Sündenbock wurde genau dahin geschickt: in die Wüste.

8. Daran erkenn ich meine Pappenheimer

Pappenheim? Wo liegt das denn? Das beschauliche Örtchen liegt im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in Bayern. Den Ort selbst kennen wohl die wenigsten, doch ist dieser häufig sprachlich in Gebrauch: „Daran erkenn ich meine Pappenheimer.“ Damit wird zum Ausdruck gegeben, dass man weiß, woran man bei bestimmten Leuten ist. Dies betrifft Eigenheiten und vor allem die Schwächen. Was ist der Ursprung? Dieser findet sich im 30-Jährigen-Krieg des 17. Jahrhunderts – bereits damals war der Spruch in ganz Europa gebräuchlich. Volle Berühmtheit erlange das Zitat in Schillers Drama „Wallensteins Tod“, in dem der Feldherr Albrecht von Wallensteinsagt: „Daran erkenn’ ich meine Pappenheimer“. Dies sagt er allerdings in voller Anerkennung zu einer Abordnung der Kürassiere des Regiments Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim. Denn diese erkundigten sich persönlich bei Wallenstein, ob das Gerücht, dass er mit den feindlichen Schweden hinter dem Rücken des Kaisers Verhandlungen führe und damit Verrat übe, wahr sei. Wallenstein sagt den berühmten Satz daher keinesfalls abwertend. Vielmehr in Anerkennung an die grenzenlose Treue.

 

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Er hielt sein Wort: Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim – der bekannteste Pappenheimer.

9. Über die Wupper gehen

Auf den ersten Blick scheint die Bedeutung der Redewendung „über die Wupper gehen“ glasklar zu sein – ist sie aber nicht zwingend. Nah liegt selbstverständlich die Bedeutung des Todes in Anspielung an die biblische Redensart „über den Jordan gehen“. Jedoch ist das nur die halbe Wahrheit. So gibt es mehrere Herleitungen – hier zwei Beispiele: Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt Wuppertal – damals noch bestehend aus den Städten Elberfeld und Barmen – auf einer Insel in der Wupper ein neues Landgericht. Jenseits der Wupper und der Gerichtsinsel wurde fast zeitgleich ein Gefängnis errichtet. Dort fanden auch Hinrichtungen mit einem Fallbeil statt. Wurden Sträflinge von dem Gericht also zur schlimmsten aller Strafen verurteil, bliebt ihnen nur noch der Gang über die Wupper. Eine andere Herleitung kommt allerdings auch ohne Tod aus. Auch Geschäftsmänner, die pleite waren, mussten die Formalitäten auf der Gerichtsinsel erledigen. Dafür war auch der „Gang über die Wupper“ nötig.

Auch die Wupper hat es in deutsche Redewendungen geschafft – häufig in Bezug zum finalen Exit.

10. Leben wie Gott in Frankreich

Das Leben in vollem Luxus und ohne Sorgen genießen – wer das von sich behaupten kann, führt redensartlich „ein Leben wie Gott in Frankreich“. Aber fühlt sich Gott nur in Frankreich wohl? Was hat es mit dieser Formulierung auf sich? Auch in diesem Fall ist der Ursprung dieser Aussage nicht zweifelsfrei geklärt. Zweifelsohne entstand die Redewendung in der Zeit der Französischen Revolution und hatte mit der Ständeordnung zu tun. Die drei Klassen waren: Geistliche, Adlige und Bauern. Vor allem der erstgenannte Stand hatte einige Vorzüge. So waren Geistliche von der Steuer befreit und hatten demnach ein sehr gutes Auskommen – Gott wird in diesem Zusammenhang stellvertretend für die gesamte Geistlichkeit genannt.

 

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Ach du süßes Leben! Nirgendwo geht das wohl besser als in Frankreich – himmlisch oder gar göttlich!

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