Was Sie in Nordfriesland entdecken sollten

Wer Nordfriesland bereist, will meist nicht den schnellen Sehenswürdigkeitenplan abhaken. Sondern auf einem Deich stehen, Schafen beim Kauen zuhören und über die Salzwiesen bis zum Horizont blicken. Ankommen. Durchatmen. Abschalten. Wie das am besten gelingt – und dennoch spannend bleibt.
Radeln im Marschland

Die Marsch ist kein „leeres Land“. Sie ist fruchtbarer Küstenboden, entstanden aus Schlick, Salz und Wasser. Zwischen Deichen, Gräben und kleinen Straßen liegen Köge – eingedeichte Landflächen. Im Frühjahr leuchtet hier das Gras fast übertrieben grün, im Herbst ziehen Gänse über die Felder.
Im Sommer erleben Sie diese Landschaft am besten mit dem Fahrrad. Vielleicht mit Gegenwind, denn hier fragt der Wind selten, ob er gelegen kommt. Bei Ihrer Fahrt kommen Sie an abgelegenen Häusern und Höfen vorbei. Genau hinschauen lohnt sich: Manchmal entdecken Sie ein uriges Café, in dem Friesentorte auf der Karte steht – mit Blätterteig, Pflaumenmus, Sahne und diesem kleinen Knacken beim ersten Gabelstich. Bei manchen Bauernhöfen steht auch einfach ein kleines Regal auf der Auffahrt. Sie nehmen Marmelade, Eier oder Kartoffeln mit und legen das passende Kleingeld hinein. Herrlich unkompliziert.
Bei den Schafen auf dem Deich

Schafe sind in Nordfriesland nicht nur Fotomotiv. Sie gehören zum Küstenschutz, weil sie das Gras auf den Deichen kurz halten und mit ihren Hufen den Boden festtreten. Gleichzeitig sind sie eine kulinarische Spezialität der Region: Das Fleisch der Salzwiesenlämmer gilt als besonders zart und würzig, weil die Tiere die Kräuter der Küste mit der Nahrung aufnehmen.
Weil die Schafe für Nordfriesland so prägend sind, finden von Mai bis Juli jährlich die Lammtage statt. Höfe öffnen ihre Türen und geben Einblicke in die Arbeit mit den Tieren. Dazu gehören Grillabende mit Livemusik, Tanzaufführungen in regionaler Tracht und Workshops mit Kunsthandwerkern, etwa zum Thema Filzen.
Kunst drinnen und draußen begegnen

Wer Kunst mag, sollte das Nolde Museum Seebüll nahe der deutsch-dänischen Grenze besuchen. Der Ort ist eine eigene farbenfrohe Welt. Drinnen hängen nicht nur die Malerein von Emil Nolde – Besucher erhalten auch Einblick in seine einstigen Wohnräume: weiße Orchideen, alte Silberspiegel, kräftige Wandfarben. Draußen blühen im Garten je nach Saison Mohn, Dahlien, Sonnenblumen und Ringelblumen. Im Gewächshaus können Sie die Blumensamen für zu Hause kaufen.
Auf Föhr lohnt sich ein Abstecher ins Museum Kunst der Westküste. Hier sehen Sie immer wieder wechselnde Ausstellungen. Derzeit etwa Art. Science. Fiction selbstgebaute Apparaturen, experimentelle Fotografien, Briefe und Installationen. Alle Werke erzählen vom Leben im Meer und an der Küste. Der Ort knüpft an eine lange Tradition an. Schon im 19. Jahrhundert kamen Künstlerinnen und Künstler aus der Region, aus Skandinavien und den Niederlanden hier zusammen. Anschließend erkunden Sie die Insel mit traditionellen Reetdachhäusern.
Marschinseln entdecken

Wer Nordfriesland verstehen möchte, sollte eine Hallig besuchen. Die kleinen Marschinseln liegen offen im Wattenmeer. Bei Sturmfluten kann das Wasser bis an die Warften steigen, also an jene aufgeschütteten Hügel, auf denen die Häuser stehen.

Besonders eindrücklich ist dies auf Nordstrandischmoor. Von Lüttmoorsiel führt eine Lorenbahn über den Steindamm hinaus – mitten durchs Watt, links und rechts nur Wasser und Himmel. Die rund 24 Halligbewohner müssen ihre Versorgungsfahrten zum Festland gut planen, denn die Schmalspurbahn kann nur bei Ebbe genutzt werden. Wem die Abgeschiedenheit gefällt, kann hier übernachten. Wem das zu einsam ist, der kommt als Tagesgast: etwa per Ausflugsschiff oder zu Fuß.
Aber Vorsicht: So harmlos das Watt bei Ebbe aussieht, Sie sollten niemals ohne ortskundigen Wattenführer laufen. Priele, weicher Boden, Nebel und schnell steigendes Wasser können gefährlich werden.
Mit der Kutsche durchs Watt

Wer das Watt erleben möchte, ohne selbst hinauszulaufen, nimmt eine Kutsche. Langsam rollen die Räder über den Meeresboden, Pferdehufe platschen durch flache Priele, und ringsum liegt eine unglaubliche Weite.
Das Schöne daran: Sie sitzen warm eingepackt, hören Möwen und Wind – und sehen Nordfriesland aus einer Perspektive, die Sie vom Deich aus nie bekommen.
Danach gehört ein Pharisäer dazu: Kaffee mit Rum unter einer Sahnehaube. Die Tote Tante ist seine schokoladige Verwandte mit Kakao, Rum und Sahne. Beides sind keine hippen Neuentdeckungen, sondern seit Jahrhunderten nordfriesische Wärmespender.
Entspannen am Sandstrand

Höhepunkt von St. Peter-Ording ist der rund zwölf Kilometer lange und bis zu 2 Kilometer breite Sandstrand mit seinen Pfahlbauten. Der Strand ist in 5 Abschnitte unterteilt, von lebhaften Badestellen bis zu ruhigeren Bereichen. Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind, können Sie an einigen Stellen sogar auf den Strand fahren. Wer zu Fuß unterwegs ist läuft über die über 1 Kilometer lange Seebrücke von der Promenade über Salzwiesen bis hin zum Meer.
Amrum dagegen lebt von seinem Kniepsand. Das ist nicht einfach „ein breiter Strand“, sondern eine riesige Sandbank, die sich an die Insel gelegt hat. Wenn Sie von der Fähre kommen, leihen Sie sich am besten ein Fahrrad. Durch die Dünen kommen Sie so auch am Leuchtturm vorbei – mit weitem Blick über Insel, Strand und Küste.

Und Sylt? Ja, bekannt. Aber auch dort finden Sie stille Momente: Am Ellenbogen im Norden der Insel stehen zwei Leuchttürme in der Dünenlandschaft. Der Ort wirkt besonders früh am Morgen oder gegen Abend, wenn weniger Menschen unterwegs sind und der Wind die Spuren im Sand verwischt.
Im holländischen Ort

Friedrichstadt wirkt, als hätte jemand ein Stück Niederlande in die nordfriesische Landschaft gesetzt. Wassergräben ziehen sich durch den Ort, Giebelhäuser spiegeln sich darin.
Kommen Sie am besten vormittags, wenn die Stadt noch nicht so gut besucht ist. Eine Grachtenfahrt ist kein Geheimtipp, aber sie passt hier einfach: langsam über das Wasser treiben, Fassaden anschauen, Geschichten hören.
Jährlich am letzten Wochenende im Juli finden die Friedrichstädter Festtage statt. Dann wird abends getanzt und gefeiert – unter Lichterketten und in mit Lampions geschmückten Straßen. Höhepunkt ist samstags der Bootskorso mit fantasievoll geschmückten und beleuchteten Booten. Die Zuschauer wählen, welches Team mit dem kreativsten Boot gewinnt.
Zur grauen Stadt

Husum trägt den Beinamen „graue Stadt am Meer“. Eine Passage aus Theodor Storms Gedicht von 1852, die er seinem Heimatort widmete. Dabei sind die Häuser am Hafen so bunt wie die Boote, die bei Flut schaukeln. Im März verwandelt sich die Stadt in eine lilafarbenes Frühlingsmeer – Etwa 4 Millionen Krokusse blühen dann im Schlosspark. Dazu wird gefeiert: beim Husumer Krokusblütenfest mit Kunsthandwerkermarkt.

Von Husum lohnt ein Abstecher nach Tönning. Der dortige Hafen ist kleiner und wunderbar für einen Spaziergang. Bei Schietwedder besuchen Sie hier das Multimar Wattforum und erfahren mehr über das Unesco-Welterbe Wattenmeer.
Danach: ein Fischbrötchen von der Alten Fischereigenossenschaft. Am besten mit Matjes, Krabben oder Bismarckhering. Dazu Zwiebeln, Remoulade und etwas Nordseeluft. „Dat smeckt good!“