Niederbayern - meine Heimat

26.04.2018

Schier endlose Ebenen und dichter Wald, unzählige Flüsse, Seen und sogar Wasserfälle, wilde Luchse und Wölfe: Was sich anhört wie eine Kurzbeschreibung Kanadas, ist in wirklich Niederbayern - meine Heimat. Niederbayern, da wo die Leute "da wo" sagen und manchmal als eigenbrötlerisch verschrieen sind, ist meiner Meinung nach eines der unterschätztesten Flecken Deutschlands. Dabei gibt es hier so viel zu entdecken.

Seit ein paar Jahren entdecken immer mehr Urlauber die Schönheit dieses Teiles von Bayern. Wieso und weshalb, was es hier alles zu erkunden gibt, möchte ich Ihnen auf diesem Blog verraten.

Stadt

Niederbayerns Städte sind voller Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Da wär zum Beispiel Landshut, die größte Stadt im Regierungsbezirk und von Einheimischen liebevoll L.A. genannt (aufgrund des KFZ-Zeichens). Haben Sie schon mal von der "Landshuter Hochzeit" gehört? Dieses Spektakel findet alle vier Jahre statt und erzählt von der Hochzeit des bayerischen Herzogs Georg dem Reichen und seiner polnischen Braut Hedwig im Jahr 1475. Vier Wochen dauert das Fest und zieht hunderttausende Besucher in die gotische Stadt.

Vielleicht noch bekannter über die Grenzen Niederbayerns hinaus ist Passau, auch "Drei-Flüsse-Stadt" genannt. Hier treffen der Inn, die Donau und die Ilz aufeinander. Passau ist auch Ausgangspunkt zahlreicher Flusskreuzfahrten Richtung Schwarzem Meer. Besonder schön ist hier auch die Altstadt, in der man auf verschiedenste Epochen trifft - vom Mittelalter über die Renaissance bis hin zum Barock. Eindrucksvoll ist zum Beispiel der Passauer Dom, der die größte Orgelanlage der Welt beherbergt.

 

A post shared by Bayern - Bavaria (@bayern) on

Einen Besuch wert sind auch die Donau-Städte Straubing und Deggendorf. Straubing wird jedes Jahr im August zur Pilgerstätte, wenn das Gäubodenfest seine Pforten öffnet. Das Volksfest ist mittlerweile das zweitgrößte in Bayern nach dem Oktoberfest. Deggendorf gilt als "Tor zum Bayerischen Wald" und hat darüber hinaus auch historisch einiges zu bieten, zum Beispiel eine Stadtmauer aus dem Mittelalter.

 

A post shared by Stadt Deggendorf (@deggendorf_de) on

Land

Woran ich mich in meiner Heimat nicht satt sehen kann, ist die Landschaft. Ich mag die flache Ebene im Gäuboden, wo man unglaubliche weit sehen kann. Unterbrochen wird der Horizont nur von den sanften, bewaldeten Hügeln des Bayerischen Waldes, der sich im Hintergrund aufbäumt. Faszinierend finde ich auch die vielfältige Kulturlandschaft. Während sich auf dem Flachland ein Feld an das andere reiht, bestellt mit den unterschiedlichsten Pflanzen von Kartoffeln über Zwiebeln bis hin zum Getreide und Mais, sind es im Bayerischen Wald die sattgrünen Wiesen, Kühe und Schafe, die das Auge in den Bann ziehen. Allgemein ist Niederbayern noch sehr landwirtschaftlich geprägt, auch wenn Gewerbe und Industrie sich immer öfter hier ansiedeln. Aber hier sind es andere landwirtschaftliche Betriebe als beispielsweise im Allgäu. Hier leben die Menschen noch davon und nicht von den Touristen, die Urlaub auf dem Bauernhof machen wollen.

 

A post shared by Markus Schanze (@macvitus) on

Ein besonderer Magnet für Einheimische und Urlauber ist der Nationalpark Bayerischer Wald. 1970 gegründet, ist er der erste Nationalpark Deutschlands und zusammen mit dem angrenzenden Böhmerwald das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas. Dementsprechend fast unendlich sind die Möglichkeiten, die sich einem hier bieten. Von Wandern über Radfahren und Mountainbiken, im Winter Langlaufen oder Skifahren, Silberbergwerke besichtigen oder auf der Glasstraße wandeln ist hier so ziemlich alles möglich.

 

A post shared by Bayerischer Wald (@bayerischerwald) on

78 Gipfel über 1000 Meter hat der Bayerische Wald zu bieten. Klar, sie sind nicht so beeindruckend wie die Gipfel in den Alpen, aber dafür auch nicht so überlaufen. Der höchste unter ihnen ist der Große Arber mit 1456 m. Im Winter lockt der Berg zum Skifahren, es gibt hier sogar eine Weltcup-Abfahrt. Im Sommer pilgern Wanderer die Wege hoch zum Gipfel. Markantestes Merkmal: Das Radomen am Gipfel, das im Kalten Krieg errichtet wurde, um den Luftraum im Osten zu überwachen.

 

A post shared by Großer Arber (@grosserarber) on

Ein weiterer bekannter Berg ist der Lusen. Bekannt geworden ist der Gipfel aufgrund des immensen Borkenkäferbefalls in den 90ern. Dadurch entstand eine fast unwirklich anmutende Landschaft aus abgestorbenen Baumstümpfen, die wie ein Mahnmal wirken und an die Zerbrechlichkeit der Natur erinnern.

 

A post shared by Thies Lehmann (@thys.space) on

Wer sich näher mit dem Wald und seinen tierischen Bewohnern beschäftigen möchte, dem lege ich den Waldwipfelweg in Sankt Englmar ans Herz. In bis zu 30 Metern höhe windet sich ein Holzsteg durch die Baumwipfel, vor einem breitet sich ein fantastischer Ausblick über Niederbayern aus. Unten auf dem Boden führen verschlungene Wege durch den Wald, mit zahlreichen Stationen und interessanten Infos zu tierischen und pflanzlichen Waldbewohnern. Ein bisschen mehr Action finden Sie nur ein paar Meter weiter auf der Sommerrodelbahn.

 

A post shared by snapshot_ (@snapshot_moment_) on

Ich für mich entdecke den Bayerischen Wald am liebsten beim Wandern. Meine Favoriten sind die Tour zu den Rißlochwasserfällen (Dauer circa 2-3 Stunden) oder zur Wildbachklamm Buchberger Leite.

 

A post shared by Victoria (@victoria_germany) on

Leute

Die Niederbayern teilen sich selbst in zwei Lager: Die aus dem Wald und die anderen. Grenze ist die Donau, und entweder ist man "von drüben" oder "von herüben", je nach Perspektive. Eines haben aber alle gemeinsam: Man kämpft gegen das Vorurteil, man sei der "zurückgebliebene" Teil Bayerns, altertümlich eingestellt und wenig offen für Neues. Dabei hält man einfach an Traditionen fest. Niederbayern ist sehr dörflich geprägt, es gibt zahlreiche Vereine und es gehört zum guten Ton, zum Beispiel von klein auf in der Feuerwehr aktiv zu sein. So versucht man, sich die Kultur zu bewahren, denn auch in dieser Region hat schon lange die Moderne Einzug gehalten. So siedeln sich zahlreiche große Firmen an, immer mehr Gewerbe entsteht, "Auswärtige" ziehen zu. Aber man ist Stolz auf die Kultur, zu der auch zum Beispiel die Wirtshäuser gehören, der Sonntagsfrühschoppen, die Kirchweihen, die Volksfeste, die Fahnenweihen und und und. Die Bewohner Niederbayerns sind sehr gesellig, aber Außenstehende werden oft etwas misstrauisch beäugt. Nicht weil man sie etwa nicht mag, man hat nur ein bisschen Bedenken, dass die Traditionen und Gebräuche mit dem Zuzug verschwinden. Ist man aber erstmal in den Kern eines Niederbayern vorgedrungen, gibt es wahrscheinlich keine nettere Person. Denn Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Höflichkeit werden uns von klein auf eingebläut. Oder kennen Sie noch einen Ort, wo man sich grüßt, auch wenn man sich nicht kennt? Oder wo man wie selbstverständlich an einem Tisch sitzt, auch wenn man sich noch nie zuvor gesehen hat? Ein kleiner Tipp einer Einheimischen: Eröffnen Sie einfach das Gespräch, danach haben Sie einen Freund fürs Leben. Und übrigens: Wir können auch hochdeutsch :-)

Besser als jeder Text erklärt aber dieses Video das Gemüt der Niederbayern:

Passende Angebote Passende Angebote & mehr

Mehr Tipps & Angebote