New York – Insidertipps eines Einheimischen

13.12.2017

New York, das ist die Freiheitsstatue, der Central Park und das Empire State Building. Soweit, so bekannt. Aber so richtig entdeckt man die Stadt erst an der Seite eines Einheimischen. Wir haben deshalb unseren Kollegen Ryan Haase nach seinen Tipps gefragt. Als gebürtiger New Yorker weiß er schließlich, wovon er spricht.

Warum sollte ich New York besuchen?

Aus dem selben Grund, aus dem die Leute nach New York ziehen: Wegen der unzähligen Möglichkeiten! Sie mögen Kultur? In New York gibt es unzählige Museen für sämtliche Interessen. Sie lieben Essen? Hier gibt es alle Landesküchen und sämtliche Preis-Levels. Sie sind verrückt nach Mode? Jede große Marke und viele kleine Labels haben hier ihre schönsten Shops.  Sie sind ein Nachtmensch? Nicht nur Clubs und Bars haben hier bis in die Morgenstunden geöffnet, auch Geschäfte, Theater und Sehenswürdigkeiten. Sie lieben Vielfältigkeit? Jede ethnische und soziale Gruppierung hat hier ihre Heimat.

Was ist das erste, das ich mir in New York anschauen sollte?

Egal zu welcher Jahreszeit, den Central Park sollte man sich nie entgehen lassen. Gut, auch andere Städte haben schöne Parks, aber der Central Park ist einfach einzigartig. Manhattan ist wie ein mächtiger Fluss aus Wolkenkratzern. Aber plötzlich teilt sich dieser Strom am südlichen Ende des Parks und die stählernen Riesen treffen auf grüne, üppige Büsche. Dieser Kontrast ist einfach umwerfend. Schmale Wege und knorrige Äste geben einem das Gefühl von Wildnis mitten in der Stadt.

 

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Welche Touristenfalle sollte ich vermeiden?

Der Flagship-Store von Macy's, bekannt aus dem Klassiker "Das Wunder von Manhattan", zieht massenhaft die Touristen an. Nimmt man die ganze Werbung weg, ist es ein ganz normaler 0815-Laden, nur viel überlaufener. Die Waren sind nichts besonderes und auch noch lustlos präsentiert. Und durch die Menge an Besuchern täglich ist es auch unmöglich, den Laden sauber zu halten.

Was ist dein Lieblingsplatz in der Stadt, den Touristen nicht kennen?

Alles außerhalb von Manhattan. Keiner meiner Freunde ist Millionär, also soweit ich weiß. Die wenigsten können sich ein Leben im teuren Manhattan leisten. Queens und Brooklyn bieten dagegen einen bezahlbareren Lifestyle als das Zentrum (auch wenn Brooklyn mittlerweile sehr teuer geworden ist). Ich verbringe eigentlich die meiste Zeit in Brooklyn und Queens, so wie die meisten New Yorker. Hier gibt es meiner Meinung nach die schönsten Restaurants und Bars. Außerdem hat man den besten Blick auf Manhattan außerhalb von Manhattan. Vor allem im Socrates Sculpture Park in Astoria, im Gantry State Park auf Long Island, am Ufer von Williamsburg und im Brooklyn Bridge Park lässt sich die Skyline wunderbar betrachten.

 

Welches Gericht muss ich unbedingt probieren?

Der Schokoladen-Babka (Hefekuchen) von Breads Bakery ist ein Traum. Vor allem noch leicht warm gegessen ist diese süße Sünde ein Genuss. Aber auch die Brezel-Croissants aus der The City Bakery sind zum dahinschmelzen: eine knusprige salzige Kruste und innen drin noch leicht warm.

Was ist dein Lieblingsrestaurant und warum?

Als ich neu war in der Stadt, hab ich alle Tipps aus irgendwelchen Foodblogs und Fernsehsendungen ausprobiert. Aber das ist mir mittlerweile zu anstrengend und auch zu teuer. Ich bevorzuge jetzt eher die Klassiker. Die sind vielleicht nicht so schick oder angesagt, aber einladend, gemütlich und bezahlbar. Da wär zum Beispiel das französische Bistro Café Loup im West Village. Das ist das "alte New York" in Reinform: schnörkellose Einrichtung, geräumig und gemütlich, herzlich und ein bunt gemischtes Klientel. Etwas glanzvoller geht es im Cafe Cluny zu, ebenfalls im West Village an einer malerischen Straßenecke. Das Cafe ist in einem kleinen, etwas engen und wuseligen Raum. Aber sie servieren ausgefallene Gerichte, so schön angerichtet, dass man sie einfach fotografieren muss. Das Five Leaves im angesagten Greenpoint ist ein regelmäßig vollkommen überlaufenes Eck-Restaurant und eine Kaffee-Bar, vor allem bei Australiern beliebt. Aber sie servieren köstliche Burger. Das Aurora in Williamsburg ist ein gemütlicher Italiener mit köstlichem Brot und hausgemachter Pasta.

 

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Wo gibt es die besten Drinks?

Gute Cocktails in schicken Locations kosten in New York ein Vermögen. Aber manchmal ist es das auch wert. Zum Beispiel die Lobby-Bar im The Beekman Hotel in Lower Manhattan. Das Hotel hat erst Ende 2016 wieder geöffnet, nach einer umfassenden Restaurierung des historischen Interiors. Besonders beeindruckend ist das neunstöckige Atrium mit schmiedeeisernen Balkonen. Das William Vale Hotel hat ebenfalls erst 2016 eröffnet und befindet sich in Williamsburg. Die Rooftop-Bar und das Restaurant bieten einen unfassbaren Blick auf die Nachbarschaft und die Skyline Manhattans auf der anderen Seite des Flusses.

 

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Wo kann man am besten shoppen?

Coole Klamottenläden eröffnen mittlerweile an jeder Ecke, vor allem in Williamsburg und in NoLita. Ich persönlich gehe gern zu ABC Carpet & Home nördlich vom Union Square. Das ist zwar ein Interior-Geschäft, aber es ist unglaublich inspirierend. Da gibt es Teppiche aus den elitärsten französischen Webereien, Möbel von hippen Schreinern aus Brooklyn, Aniquitäten aus nepalesischen Tempeln. Nicht das ich mir das ganze leisten könnte oder auch nur annähernd den Platz hätte, die zum Teil riesigen Möbelstücke irgendwo unterzubringen. Aber man darf ja noch träumen. Was einer Shopping-Mall in New York am nächsten kommt ist das Ocolus. Das Gebäude schaut auf den ersten Blick aus wie das Skelett eines Flugdinosauriers und beherbergt einige berühmte Fashion-Marken sowie einen Bahnhof. Auch wenn man eigentlich den Eindruck hat, es dient lediglich als Hintergrund für Selfies.

Was ist der eigenartigste Ort in New York?

Ich denke das Grundstück der New Yorker Weltausstellung von 1964/65 in Flushing Meadows. Nur ein paar ausgewählte Gebäude stehen noch, aber es fühlt sich an wie eine Zeitkapsel. Der Park versprüht den Flair vergangener Tage. Vor allem die stählerne Weltkugel und die verrosteten UFOs des New York State Pavillon Towers schauen aus wie nicht von dieser Welt.

Was sollte man zu einem Einheimischen nie sagen?

Kommen Sie nicht mit dem Thema "Sex And The City" um die Ecke. Die Show endete schon vor Jahren und hat ein ziemlich unrealistisches Bild davon gemalt, wie es ist, in New York zu leben. New York ist zwar modisch und aufregend und sexy und voller Möglichkeiten, aber die Serie hat Touristen darauf konditioniert, überall etwas  Außergewöhnliches zu erwarten.

Eine interessante Sache über New York, das die Leute nicht wissen?

New Yorker zeigen nach außen hin ein Verhalten, das andere vielleicht als unhöflich bezeichnen würden. Aber effizient würde es eher treffen. Die New Yorker sind aufgeschlossene, neugierige, enthusiastische, stolze und herzliche Menschen. Aber: Es gibt sehr viele New Yorker. Und es gibt sehr viele Touristen. Presst man Millionen von Einheimischen und Touristen auf ein kleines Stück Land und kombiniert man das mit einem in die Jahre gekommenen öffentlichen Verkehrssystem, muss man Wege finden, zu überleben. Egal wo man hin kommt, man muss tausenden von Menschen ausweichen. Zum Beispiel auf einem Fußgängerweg, auf der Treppe, im Aufzug. Deshalb muss man schnell sein, entschlossen und auch strategisch vorgehen. Wenn man Wange an Wange mit Fremden in einer völlig überfüllten U-Bahn steht, muss man quasi in einen außerkörperlichen Zustand der Trance wechseln, um nicht vollkommen auszuflippen. Deshalb kommen New Yorker oft unhöflich rüber — es sind halt permanent viele Menschen um sie herum und es bleibt einfach nicht genug Zeit, um zu allen freundlich zu sein.

Was ist der angesagteste Trend in der Stadt?

Nach den Cronuts sind es neuerdings die Pokes. Das ist ein hawaiianisches Schalengericht mit rohem Fisch. Die Leute stehen also Schlange, um so etwas wie Sushi zu bekommen, das eben nur nicht fein säuberlich aufgerollt ist, sondern wild in einer Schüssel gemixt.

Was ist das beste an deiner Stadt?

New York ist eine der entgegekommendsten, nie-schlafenden Städte. Sie sind mitten in der Nacht auf der Suche nach einem Halloween-Kostüm? Oder Sie brauchen einen Geburtstagskuchen um 4 Uhr morgens? Sie wollen eine bestimmte Sorte Butter aus einer unbekannten Region in Frankreich? Oder bequeme Lederschuhe mit Platz für große Zehen und einen hohen Rist? Lust auf einen Laktose- und Glutenfreien Paleo Lunch? Sie wollen sich eine Gesichtscreme gönnen, obwohl Sie allergisch gegen Gesichtscreme sind? Alles kein Problem in New York.

Und das schlimmste?

Unser U-Bahn-System ist einfach nur veraltet. Erstaunlicherweise dauert es nur Sekunden, bis man ganz oben auf dem One World Trade Center steht. Aber versuchen Sie mal, pünktlich zum La Guardia Airport zu kommen - es wird nicht klappen. Beurteilen Sie meine schöne Stadt also nicht danach, wie lang es dauert, die schönen Plätze zu erreichen.

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