München hautnah – Tipps eines Einheimischen

03.08.2017

Heute bin ich Wahlberliner, aber die ersten 30 Jahre meines Lebens habe ich in München verbracht. In meine Heimat reise ich immer noch häufig – fühle mich dort aber mittlerweile immer mehr wie ein Tourist. Wohlgemerkt: Einer, der sich auskennt. Und als solcher verrate ich Ihnen meine Tipps für einen Trip in meine Heimatstadt.

Weißwurst-Frühstück

Die bayerische Küche ist deftig und schwer. Das gilt auch für die erste Mahlzeit des Tages. Diese besteht ganz klassisch aus einem Kessel mit dampfenden Weißwürsten, dazu gibt’s süßen Senf, eine resche Brezn und ein kühles Weißbier. Und zwar nur bis 12 Uhr. Am besten schmecken sie mir in der urigen Gaststätte Großmarkthalle. Hier geht es zünftig zu: Rustikale Tafeln, holzvertäfelte Wände und Stammtisch-Runden beim Kartenspielen machen das Ambiente dieser authentisch münchnerischen Weißwurst-Institution aus.

 

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Münchens Tore

Wer sich der Münchner Innenstadt von Südwesten nähert, gelangt irgendwann ans Sendlinger Tor. Zusammen mit den anderen noch erhaltenen Stadttoren Münchens diente es im Mittelalter als Zugangspforte zur ummauerten Kernstadt. Die Stadtmauer existiert längst nicht mehr und das Sendlinger Tor steht frei, aber seine wuchtigen, mit Efeu berankten Backsteinmauern lassen erahnen, wie das Ensemble einst ausgesehen haben mag. Das Isartor wiederum thront auf einer Verkehrsinsel mitten im quirligen Stadtverkehr auf dem Altstadtring und wirkt manchmal ein wenig fehl am Platz. Kein Zufall, dass man dem eigenwilligen Humor der beiden Münchner Originale Karl Valentin und Liesl Karlstadt hier ein Denkmal gesetzt hat: mit einem eigenen Museum. Im Vergleich dazu fristet das Karlstor ein regelrechtes Schattendasein. Ein wenig eingequetscht wirkt das von Zinnen gekrönte Portal, seit es Ende des 19. Jahrhunderts in die Rondelbebauung des Karlsplatzes integriert wurde. Letzterer heißt bei Münchnern übrigens ausschließlich „Stachus“, benannt nach einem Wirtshaus, das sich hier vor über 250 Jahren befand.

 

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Brotzeit auf dem Viktualienmarkt

Am Viktualienmarkt schlägt das kulinarische Herz Münchens. Fleisch und Fisch, Obst und Gemüse, Backwaren und Kräuter findet man hier in besonders auserlesener Qualität. In der Mitte des Platzes, nur ein paar Schritte vom großen Maibaum, gibt es einen gemütlichen Biergarten – der perfekte Ort für eine kleine Pause während des Stadtbummels. Ob klassische Bratwurst oder trendiger Superfood-Snack – hier kann sich jeder an den umliegenden Stände genau das holen, was ihm oder ihr am besten schmeckt. Und gegessen wird dann zusammen an den typischen Holzbänken. Denn: In einem echten Münchner Biergarten ist es absolut in Ordnung, sich von außerhalb Speisen mitzubringen, so lange man die Getränke vor Ort kauft.

Rund um den Odeonsplatz

Damen mit breiten Hüten und Herren mit Einstecktuch im Jackett, Maseratis im Schaufenster und daneben eine Kaviar-Bar – am Odeonsplatz wird München seinem Ruf als Schickeria-Hauptstadt mehr als gerecht. Umrahmt von der majestätischen Kulisse von Theatinerkirche, Feldherrenhalle und klassizistischen Ladenzeilen, tummeln sich hier bevorzugt die gut Betuchten und jene, die es gerne wären. Alles ist hier auf Hochglanz getrimmt, sogar die Markennamen der vertretenen Geschäfte prangen in strahlendem Gold von den Fassaden. Auch das Travelzoo-Logo ist dort zu finden – die Deal-Experten in unserem Münchner Büro arbeiten in wahrlich illustrer Nachbarschaft. Am besten beobachtet man das bunte Treiben auf dem Odeonsplatz und der Ludwigstraße von der Terrasse des Schumann’s. Die Bar von Cocktail-Legende und Model Charles Schumann ist ein angesagter Treffpunkt fürs Business Lunch oder einen Aperitif in der Abendsonne. Nicht selten kommt der Chef selbst an den Tisch und fragt, wie es geschmeckt hat.

 

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Studentenleben in der Maxvorstadt

Vom Odeonsplatz läuft man etwa zehn Minuten die prächtige Ludwigstraße entlang, bis man die Ludwig-Maximilians-Universität erreicht. Diese ist in vielerlei Hinsicht ein geschichtsträchtiger Ort und hat große Persönlichkeiten hervor gebracht, auf die die Münchner zu Recht stolz sind. Die Geschwister Scholl zum Beispiel. Von hier aus organisierten sie einst den Widerstand gegen den Nationalsozialismus – und bezahlten mit ihrem Leben. Die Flugblätter, mit denen sie die jungen Menschen davon überzeugen wollten, sich gegen die Gewaltherrschaft aufzulehnen, kann man bis heute auf dem Platz vor dem Universitätsgebäude liegen sehen. Erst bei näherem Hinsehen bemerkt man, dass es sich nicht um die originalen Papier-Flyer handelt, sondern um in Keramik verewigte Kopien, die in das Bodenpflaster eingearbeitet wurden. Einen kurzen Marsch durch die imposante Aula der LMU, wie die Münchner ihre größte Hochschule nennen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Verlässt man das Gebäude auf der rückwärtigen Seite, ist man plötzlich mittendrin im Stundentenleben. Wer hier aber nur Dönerbuden und Coffee Shops erwartet, liegt falsch: Die Amalien-, Türken- und Schellingstraße decken mit ihren unzähligen Lokalen das ganze Gastro-Spektrum ab.

Englischer Garten: Morgenstund hat Gold im Mund

Größter Stadtpark der Welt, grüne Lunge Münchens – der Englische Garten hat viele Beinamen. Letzten Endes ist er einfach, was er ist: ein wahnsinnig schöner Ort. Aber kein ruhiger. Denn bei Sonnenschein tummelt sich hier die halbe Stadt. Wenn man den echten Zauber des Parkareals erleben möchte, sollte man direkt nach Sonnenaufgang hindurchspazieren, wenn Eichhörnchen über die Wiesen huschen und die Schwäne auf dem Kleinhesseloher See sich sanft durch den Morgennebel schieben. Wer den Eisbach entlang läuft, kommt irgendwann in einen Teil des Parks mit fernöstlich anmutender Vegetation und einem verwunschen wirkenden Teehaus. Dort findet von April bis Oktober an je einem Wochenende im Monat – stets im Morgengrauen – eine original japanische Teezeremonie statt. Ein paar Schritte weiter ist das Szenario schon wieder ein ganz anderes. Plötzlich rauscht das Wasser des Eisbachs, und Surfer in Neoprenanzügen reiten auf einer künstlich erzeugten Welle. So kurz kann der Weg von spiritueller Abgeschiedenheit zurück ins wilde Leben sein.

 

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Durch die Augen der Bavaria

Zwei Wochen im Jahr dreht sich auf der Theresienwiese alles ums Bier. Wer München bisher nur zum Oktoberfest besucht hat, könnte sich schon mal gefragt haben, was hier in der restlichen Zeit des Jahres passiert. Die Wahrheit: Nicht viel. Hier mal ein Flohmarkt, dort mal ein Festival. Doch an den allermeisten Tagen des Jahres klafft hier einfach nur eine große Lücke im Stadtbild. Und über diese Lücke wacht die Bavaria, eine kolossale Frauenstatue aus Bronze, die einen Lorbeerkranz in den Himmel reckt. Sie ist niemand geringeres als die Personifikation des Bayernlandes. Dessen prägenden Persönlichkeiten wird zu ihren Füßen, in der Ruhmeshalle, gedacht. Die dort gezeigten Büsten erinnern zum Beispiel an den Dichter Bertolt Brecht, den Widerstandskämpfer Stauffenberg und den Maler Albrecht Dürer. Wer keine Angst vor engen Räumen hat und beim Treppensteigen nicht allzu schnell die Kondition verliert, sollte sich den Aufstieg in den Kopf der Bavaria nicht entgehen lassen. Für 3 € Eintritt gelangen Sie ins Innere der „bayerischen Freiheitsstatue“. Oben angekommen, erwartet Sie ein einmaliger Blick auf die Münchner Stadtsilhouette.

Royaler Glanz in Münchens Schlössern

Der einstige Glanz der Wittelsbacher-Dynastie ist bis heute an vielen Stellen in München präsent. Zu den größten Hinterlassenschaften der Herrscherfamilie, der auch Märchenkönig Ludwig II. entstammt, zählen ihre Schlösser. Das Residenzschloss zwischen Odeonsplatz, Nationaltheater und Staatskanzlei beispielsweise wurde im Lauf seiner Geschichte immer wieder erweitert und vereint heute Stilelemente von Barock bis Renaissance. Mein persönliches Highlight ist gar nicht der Palast selbst, sondern sein Hofgarten. Mit seinen sternförmig angeordneten Wegen und den geometrisch gestutzten Hecken und Bäumen wirkt die Anlage fast ein bisschen kitschig. Auf den gepflegten Parkbänken kann man perfekt dem quirligen Treiben in der City für einen Moment entfliehen. Deutlich größer als die Residenz ist das Schloss Nymphenburg im Westen der Stadt. Jenes „bayerische Versailles“ zeigt ganz deutliche Ähnlichkeiten mit der Architektur französischer Barockpaläste. Und steht diesen auch beim Prunk in nichts nach. Imposant ist auch der Schlosspark: Auf 180 Hektar Fläche erlebt man hier beeindruckende Gartenkunst. Tipp: Im verglasten Palmenhaus kann man sich zwischen tropischen Pflanzen einen Kaffee oder einen Snack schmecken lassen.

 

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Zum Abschied in eine Braustube

Sechs Brauereien sind traditionell in München beheimatet: Paulaner und Löwenbräu, Spaten und Hacker-Pschorr, Hofbräu und Augustiner. Letztere ist die älteste und genießt quer durch alle Bevölkerungsschichten Kultstatus. Dass diese für den Münchner Wirtschaftsstandort durchaus nicht irrelevanten Unternehmen ihren Sitz nicht ins günstigere Umland verlegen, liegt übrigens auf der Hand: Nur in München ansässige Brauer dürfen ihr Bier auf dem Oktoberfest ausschenken. Bei bis zu 7,7 Millionen Liter Bier, die dort jedes Jahr getrunken werden, geht es hier um besonders lukratives Geschäft. Weil man mehr trinken kann, wenn man ordentlich isst, betreiben die Brauereien mehrere Braustuben in ihren historischen Firmensitzen. Das weltberühmte Hofbräuhaus ist ein solches: Neben frisch Gezapftem bekommt man hier bayerische Klassiker wie Schweinshaxe oder Brathendl serviert. Uriger geht es in den Augustiner Bräustuben im Münchner Westend zu. Bevor Ihr Trip in München zu Ende geht, kann man es sich hier noch mal richtig schmecken lassen. Tipp: Lassen Sie trotz großer Portionen noch etwas Platz für ein Dessert. Einen besseren Blaubeerpfannkuchen als hier bekommen sie nämlich nirgends.

 

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