Ligurien statt Cinque Terre: Urlaub an Italiens unbekannter Riviera

25.08.2026

Wenn ich von Urlaub in Ligurien erzähle, denken alle sofort an die Cinque Terre. An die fünf Fischerdörfer, die für ihre bunten Häuser bekannt sind. Jene, die östlich von Genua liegen, in der Nähe von Portofino. Doch Ligurien hat weit mehr zu bieten als diese berühmten Orte. Mich zog es deshalb an die westliche Küste. Ans Meer. 

Dieser Teil Liguriens ist sogar größer als der bekannte Küstenabschnitt rund um die Cinque Terre. Zahlreiche alte, wunderschöne Dörfer reihen sich hier von Savona bis Ventimiglia aneinander. Die Grenze zu Frankreich ist nah und bis nach Monte-Carlo sind es nur wenige Minuten.

Die beste Reisezeit
Von Ende Mai bis Anfang Juni war ich also in Ligurien – kurz vor der Hauptsaison. Genau diese Reisezeit würde ich jederzeit wieder wählen. Es war deutlich ruhiger als zur gleichen Zeit am Gardasee, in Venetien oder in der Toskana. Selbst am frühen Nachmittag gab es am Strand noch freie Liegen. Abends bekamen wir als Familie überall problemlos einen Tisch im Restaurant. 

Wir trafen viele italienische Urlauber. Eine Reisegruppe aus Mailand erzählte uns, dass sie hier einen Großteil ihrer Rente verbringt. Auch Familien aus der Schweiz und Deutschland waren unterwegs. Insgesamt hatte ich den Eindruck: Hier gibt es noch echtes einheimisches Leben. Morgens liefen Schülergruppen an uns vorbei, Einheimische erledigten ihre Einkäufe und die Wohnungen waren bewohnt. Das ist in klassischen Touristenorten oft nicht der Fall. Genau deshalb gefiel mir die Gegend so gut. Sie wirkte echt – nicht wie ein Freilichtmuseum für Touristen. 

Orte wie aus dem Bilderbuch
Die meiste Zeit meines Urlaubs verbrachte ich in den benachbarten Orten Finale Ligure, Varigotti, Noli und Spotorno. Jeder einzelne wirkte wie aus einem Bilderbuch. Im Ortskern steht meist eine Kirche, umgeben von kleinen Gassen, die heute als Fußgängerzone dienen. Dazwischen reihen sich bunte Häuser dicht aneinander. Manche sind so schmal, dass auf jeder Etage nur ein einziges Zimmer Platz findet. 

Zwischen den Orten fuhr ich mit dem Auto oder dem öffentlichen Bus an der Steilküste entlang. An den Stränden gibt es hauptsächlich Sand und Kies, teilweise auch Steine. Das Wasser schimmert glasklar in Türkistönen und große Teile der Küste stehen unter Naturschutz. Boote müssen Abstand zum Ufer halten – Jetskis und ähnliche motorisierte Wasserfahrzeuge sind verboten.  

Die vor Spotorno liegende Isola di Bergeggi erreichte ich also nur mit einem Tretboot, SUP oder Kajak – was die Anfahrt schon zum Abenteuer machte. 

In Finale Ligure gibt es außerdem einen kleinen Hafen, von dem Fischerboote auslaufen und Segelausflüge starten. Die Häuser in Varigotti leuchten in warmen Terrakotta-, Orange- und Gelbtönen. Besonders vom Meer aus kommen ihre Farben eindrucksvoll zur Geltung.

Pasta statt Pizza
Auch kulinarisch überraschte mich Ligurien. Die klassische italienische Pizza suchen Urlauber in Restaurants mit ligurischer Küche oft vergeblich. Stattdessen stehen Trofie al Pesto (gedrehte Pasta mit Basilikumpesto), Coniglio alla Ligure (Kaninchen mit Taggiasca-Oliven und Pinienkernen) und vor allem Fisch auf der Speisekarte. Ob Pasta mit Venusmuscheln, Miesmuscheln, frittierte oder eingelegte Meeresfrüchte, Stockfisch, Thunfisch oder gegrillter Oktopus – Fisch spielt in der ligurischen Küche die Hauptrolle. 

Als Snack oder Beilage gibt es außerdem Focaccia – ein luftiges Brot, das unter anderem mit Tomaten, Zwiebeln oder Oliven belegt wird.

Anfahrt mit dem Auto
Noch ein Tipp für alle, die mit dem Auto aus Deutschland anreisen: Seit 2017 können Reisende das Internet-Roaming innerhalb der EU wie zu Hause nutzen – je nach Mobilfunkvertrag meist ohne zusätzliche Kosten. 

Für die Schweiz gilt diese Regelung allerdings nicht. Meine gerade einmal 15 Minuten auf der Schweizer Autobahn mit Google Maps und Spotify wurden dadurch überraschend teuer. Hinzu kommt die Jahresvignette, die für knapp 50 Euro gekauft werden muss. Wer über die Schweiz fährt, sollte deshalb vorab prüfen, welche Roaming-Konditionen der eigene Mobilfunkvertrag beinhaltet. 

 

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