Im Bann des Tiroler Kaisergebirges

Die Alpen sind für mich ein Sehnsuchtsort. Genau das Gegenteil meines hektischen Großstadtalltags in München: weniger Menschen, kein Stress, dafür viel mehr Natur. In die Tiroler Berge zu fahren, ist bei mir fester Bestandteil eines jeden Urlaubsjahrs. Schon seit ich ein kleiner Junge bin. Vor allem ein Gebirgszug in Österreich zieht mich seit jeher in seinen Bann: das Kaisermassiv. Und das nicht nur, weil ich gebürtig aus dem nahegelegenen Rosenheim komme. Das Wichtigste über die Region um den Wilden und Zahmen Kaiser erzähle ich Ihnen in diesem Blog.
Der Wilde
Rau, markant und schon von weitem erkennbar: Das ist der Wilde Kaiser. Über 2300 Meter erheben sich die schroffen Felsen seines höchsten Gipfels, des Ellmauer Halts. Nichts für Anfänger, wie ich finde. Aber wer etwas Bergsteigerfahrung hat, merkt schnell, warum der Gipfel unter Bergfexen eine Art Kultstatus besitzt: der Blick auf die Gletscher der Hohen Tauern und das Zillertal, die steilen Felswände unten, die Kraxelei zum Gipfel. Wer es hier hochschafft, hat sich den Eintrag ins Gipfelbuch redlich verdient. Mindestens acht Stunden dauern der Auf- und Abstieg insgesamt. Durchaus sportlich für eine Tagestour.
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Doch keine Sorge: Wenige Meter unterhalb des Gipfels gibt es eine Biwak-Hütte für Übernachtungen. Unbewirtet, spartanisch eingerichtet und nur für Notfälle. Zum Beispiel dann, wenn der Abstieg wegen des Wetters zu gefährlich wird oder die Kopfschmerzen zu stark werden. Ich selbst habe das noch nie erlebt, aber mein Bruder musste einmal eine Nacht in der Hütte verbringen. Halb so schlimm, wie er sagt. Ihm zufolge war der Sonnenaufgang auf über 2300 Metern „absolut episch“.
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Auch wenn dem Wilden Kaiser mitunter ein Ruf als unbezwingbar anhaftet, gibt es auch hier harmlosere Touren: Als „Einsteiger-2000er“ gilt der Scheffauer. Aussicht top, Stresslevel niedrig, gut angelegter Steig und keine Kletterpassagen. Wem es mehr um die kulinarische Belohnung geht, der kann in rund 2,5 Stunden von Ellmau die in der Sommersaison bewirtschaftete Gruttenhütte erreichen. Hier lässt sich nicht nur traditionell tirolerisch speisen, sondern auch bequem übernachten sowie Frühstück oder Halbpension hinzubuchen. Natürlich morgens schon mit Blick auf das Kaisermassiv.
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Der Zahme
Ich persönlich bin am Wilden Kaiser öfter zum Skifahren als zum Wandern. Für Letzteres bevorzuge ich seinen „kleinen Bruder“, den Zahmen Kaiser. Nicht ganz so hoch, weniger felsig, kürzere Gehzeiten bis zu den Gipfeln. Und etwas schneller zu erreichen von Deutschland aus. Der höchste Gipfel mit 1998 Metern ist gleichzeitig mein Favorit: die Pyramidenspitze. Knapp 1000 Höhenmeter vom Parkplatz Kaisertal bei Ebbs, rund 3 Stunden brauche ich bis zum Gipfel. Wer etwas weniger geübt ist und mehr Pausen braucht, sollte eher 3,5 bis 4 Stunden rechnen. Dennoch an einem Tag mit entsprechender Fitness gut machbar. Mich fasziniert auf der Pyramidenspitze immer der tolle Ausblick ins Inntal und bei gutem Wetter bis in meine Geburtsstadt Rosenheim.
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Wenn ich ein besonders entschleunigendes Wochenende will, übernachte ich mit meiner Freundin im Zirbenholzzimmer in der Ritzaualm – in etwa auf halber Strecke. Ganz früh morgens gehen wir dann als zwei der Ersten auf den Gipfel zum Sonnenaufgang und frühstücken danach. Das nur als kleiner Tipp am Rande. Ich bin kein Kaffeetrinker und auch ohne Koffein am Morgen fit. Daher ist frühes Aufstehen kein Problem. Wem es da anders geht, der sollte das Almfrühstück nicht auf später verschieben. Zwei Touren mit ähnlichem Ausblick, aber etwas weniger Höhenmetern als die Pyramidenspitze, sind die Naunspitze und das Petersköpfl (beide ca. 1,5–2h Aufstieg). Aus Erfahrung kann ich beide sehr empfehlen.
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Von Deutschland aus ist das Kaisergebirge sehr gut zu erreichen. Knapp 1 Stunde dauert die Anfahrt über die Autobahn etwa von München. Wer lieber mit den Öffis anreist, nimmt den Zug nach Kufstein (Regionalbahn auch mit dem Deutschlandticket ohne Aufpreis möglich). Von dort gibt es eine Busverbindung Richtung Ebbs/Kaisertal. Rund 15 Minuten dauert die Fahrt.