Halloween – Von Geistern und Grünkohl

29.10.2026

Ausgehöhlte Kürbisse, gruselige Kostüme und Kinder, die Süßigkeiten verlangen: Halloween verbinden wir heute vor allem mit den USA. Dabei liegen die Ursprünge des Festes auf der anderen Seite des Atlantiks. Und wer sich mit seiner Geschichte beschäftigt, stößt auf längst vergessene Traditionen. Oder haben Sie den Partner fürs Leben mit Grünkohl gefunden?

Alles begann mit den Kelten
Die Wurzeln von Halloween reichen mehr als 2000 Jahre zurück. Damals feierten die Kelten in Irland und Schottland das Fest Samhain (ausgesprochen etwa „Sau-in“): Die Erntezeit war zu Ende und der Winter begann.

In dieser Nacht war die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders durchlässig. Geister konnten auf die Erde zurückkehren. Es galt also, sich vor ungebetenen Besuchern aus dem Jenseits zu schützen. Deshalb verkleideten sich die Menschen und entzündeten Feuer.

Mit der Verbreitung des Christentums vermischten sich alte Traditionen mit neuen Bräuchen. Auch in der Sprache: Der Abend vor Allerheiligen, im Englischen „All Hallows’ Eve“, wurde zu Halloween.

Warum wir eigentlich Rüben schnitzen sollten
Das Halloween-Symbol schlechthin ist die Jack-o’-Lantern, ein ausgehöhlter, von innen beleuchteter Kürbis. Die ersten Grusellaternen sahen allerdings ganz anders aus: In Irland und Schottland wurden ursprünglich Rüben ausgehöhlt und mit Fratzen versehen.

Im 19. Jahrhundert brachten irische Einwanderer den Brauch nach Amerika – in die Heimat der Kürbisse. Diese waren größer und leichter zu bearbeiten. So setzten sich die orangefarbenen Feldfrüchte gegen die Rüben durch.

Süßes oder Saures? Früher musste man dafür arbeiten
Auch die Verbindung von Halloween und Süßigkeiten hat europäische Wurzeln. In England zogen Menschen früher rund um Allerheiligen und Allerseelen von Haus zu Haus und baten um sogenannte Soul Cakes. Als Gegenleistung versprachen sie, für verstorbene Angehörige der Hausbewohner zu beten.

Die Tradition lebt auch in der Musik weiter: 2009 veröffentlichte Sting auf seinem Album „If on a Winter's Night...“ das Lied „Soul Cake“, seine Interpretation eines alten englischen Volksliedes. Darin wird um das süße Gebäck gebeten. Ein Halloween-Song, der ganz ohne Monster und Hexen auskommt.

Das Verkleiden entwickelte sich vornehmlich in Schottland und Irland. Beim sogenannten Guising (von englisch „guise“, Verkleidung) besuchten kostümierte Kinder ihre Nachbarn und erhielten kleine Geschenke. Allerdings nicht so leicht wie heute: Sie mussten zunächst ein Lied singen, ein Gedicht aufsagen oder einen Witz erzählen.

Das erinnert mich an eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen: St. Martin. Erst wurden Laternen gebastelt und Lieder einstudiert. Dann zogen wir singend von Haus zu Haus und dafür gab es Süßigkeiten. Die Bräuche haben unterschiedliche Hintergründe, aber das Prinzip ist ähnlich: Wer etwas vorträgt, bekommt eine Belohnung.

Mittlerweile reicht an Halloween meist ein überzeugendes „Süßes oder Saures“.

Partnersuche an Halloween
In Irland gehört Barmbrack, ein süßes Früchtebrot, traditionell zu Halloween. Früher wurden verschiedene Gegenstände in den Teig eingebacken, die etwas über die Zukunft verraten sollten.

Wer in seinem Stück einen Ring fand, durfte auf eine baldige Hochzeit hoffen. Eine Münze versprach Reichtum, ein Stück Stoff dagegen Armut. Fand eine junge Frau einen Fingerhut, wurde angenommen, dass sie unverheiratet bleiben würde.

Auch in Schottland gab es Möglichkeiten, an Halloween in die Zukunft zu schauen: Wie der zukünftige Ehepartner aussehen würde, verriet keine Kristallkugel, sondern ein Grünkohlfeld.

Bei einem traditionellen Halloween-Orakel zogen junge Menschen mit verbundenen Augen Grünkohlpflanzen aus der Erde. Aus dem Strunk sollten sich Rückschlüsse auf die Statur des zukünftigen Partners ziehen lassen. Hierbei ging es nicht nur um das Aussehen: Viel Erde an den Wurzeln versprach Wohlstand.

Von Europa in die Welt
Die von Einwanderern im 19. Jahrhundert nach Nordamerika mitgebrachten Bräuche entwickelten sich weiter. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich das moderne Trick-or-Treating. Aus alten Geistergeschichten und Erntebräuchen wurde ein Fest mit Kostümpartys, Süßigkeiten und aufwendig dekorierten Vorgärten.

Wer am 31. Oktober einen Kürbis vor die Tür stellt, führt also eine jahrhundertealte Tradition fort. Wenn auch mit einem anderen Gemüse.

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