Diese Reise hat meine Sicht auf Kreuzfahrten verändert

Wenn ich das Wort „Kreuzfahrt“ höre, denke ich sofort an riesige Schiffe, die mit Menschen überfüllt und in jeder Hinsicht überwältigend sind. Mit ihren Restaurants, Wasserrutschen, Liveshows und Casinos wirken sie wie schwimmende Freizeitparks.
Für mich persönlich waren diese größeren Kreuzfahrtschiffe bisher nichts. Wobei ich den Reiz daran schon verstehe. Da für jeden etwas dabei ist, sind sie in meinen Augen ideal für Familien- und Mehrgenerationen-Reisen. Das war jedoch nie mein Reisestil, weshalb ich das Thema Kreuzfahrten schon vor langer Zeit abgehakt hatte.
Doch das hat sich nun geändert, seit ich meine erste Expeditionskreuzfahrt unternommen habe. Anfang dieses Jahres ging es für mich auf eine Reise mit der Luxusreederei Swan Hellenic. In 11 Tagen kreuzten wir von Costa Rica durch den Panamakanal nach Kolumbien. Diese Erfahrung hat meine Einstellung gegenüber Kreuzfahrten als Reisemöglichkeit völlig verändert. Hier sind die Erkenntnisse, die ich dabei gewonnen habe.

Kleine Schiffe haben ihre Vorteile
Die SH Diana ist das neueste und mit 125 Metern Länge zugleich größte Expeditionsschiff von Swan Hellenic. Mit neun Decks bietet die Diana Platz für 127 Besatzungsmitglieder und maximal 192 Gäste. Auf dieser Kreuzfahrt waren etwa 110 Gäste an Bord. Zur Ausstattung an Bord gehören ein Pool, ein Fitnessstudio, ein Spa, ein Schönheitssalon, eine Sauna, ein Dampfbad und ein Whirlpool.

Das Sprichwort „Weniger ist mehr“ traf während meiner gesamten Zeit auf der SH Diana zu. An Bord gibt es ein Hauptrestaurant, in dem alle Mahlzeiten serviert werden. Hier empfand ich das Flair wie in einem gehobenen Restaurant. In zwei weiteren Restaurants hingegen ist die Atmosphäre eher leger. Die einzige Bar befindet sich in der eleganten Observation Lounge. Ansonsten gibt es ein Sternbeobachtungsdeck, eine Bibliothek, ein Expeditionslabor und einen Waschsalon. Das war’s auch schon. Wasserrutschen, Nachtclubs, Casinos oder Theater werden Sie hier nicht finden.

Die Auswahl mag zwar begrenzt sein, doch genau das empfand ich als angenehm. Anstatt meine Mahlzeiten und Aktivitäten im Voraus zu planen, konnte ich mich entspannt zurücklehnen. Oft war die schwierigste Entscheidung, die ich treffen musste, die Wahl des Hauptgerichts zum Abendessen. Oder wo ich auf dem Schiff sitzen sollte, um den Blick auf das Meer am besten genießen zu können. Glücklicherweise gab es den ganzen Tag über genug Abwechslung bei den Mahlzeiten, sodass keine Langeweile aufkam. Durch die täglich wechselnde Speisekarte wurden die Gerichte zudem nie eintönig.

Die schnelle Entscheidungsfindung war nur einer der Vorteile des Aufenthalts auf der SH Diana: Dank der relativ überschaubaren Größe habe ich mich schnell zurecht gefunden. Von einem Ort zum anderen zu gelangen, dauerte meist keine zwei Minuten. Auch das Erlebnis an Bord unterscheidet sich deutlich von dem auf einem großen Kreuzfahrtschiff. Die Besatzungsmitglieder lernten schnell die Namen der Gäste – und umgekehrt. Es war einfach, mit anderen Passagieren ins Gespräch zu kommen. Menschen, die sich am ersten Tag noch fremd waren, wurden schon bald Freunde.

Orte bereisen, die großen Schiffen verwehrt bleiben
Das Markenversprechen von Swan Hellenic lautet: „Sehen, was andere nicht sehen.“ Während meiner Reise wurde mir schnell klar, wie das in die Praxis umgesetzt wird. Dank ihrer Größe kann die SH Diana auch Häfen anlaufen, die für große Kreuzfahrtschiffe nicht erreichbar sind. Ja, wir haben beliebte Reiseziele wie Panama-Stadt und Cartagena besucht. Doch meistens hatten wir das Gefühl, weit abseits der Touristenpfade unterwegs zu sein.
Entlang der Pazifikküste Costa Ricas haben wir Zwischenstopps eingelegt, um Nationalparks und Naturschutzgebiete zu erkunden. In Panama haben wir die Insel Cebaco und das San-Blas-Archipel besucht. Beides abgelegene, paradiesische Orte wie aus dem Bilderbuch. Außerdem stand der Darien-Dschungel auf dem Programm, der nur auf dem Wasserweg erreichbar ist.

Die täglichen Erlebnisse als Hauptattraktion
Eine Expeditionskreuzfahrt zu unternehmen, erfordert Abenteuerlust. Das Erkunden neuer Orte ist bei Swan Hellenic ein wesentlicher Bestandteil des Produkts. Dementsprechend standen die geplanten Ausflüge im Mittelpunkt der Reise.
Unter der Leitung eines engagierten Expeditionsteams fanden diese fast täglich statt. An jedem Zwischenstopp gab es einen entsprechenden Ausflug für alle Gäste. Dazu gehörten Strandbesuche, Wanderungen durch Nationalparks und Stadtrundgänge. An manchen Orten wurden gegen Aufpreis zusätzliche Aktivitäten angeboten – beispielsweise kulinarische Touren und Hubschrauberrundflüge. Wie ich nahmen die meisten Gäste nur an den im Reisepreis enthaltenen Ausflügen teil.

Unsere Tage waren sehr strukturiert. Jeden Abend gab es vor dem Abendessen eine Expeditionsbesprechung. Dabei erfuhren wir, was uns am nächsten Tag erwarten würde. Mitglieder des Expeditionsteams gingen mit uns den Zeitplan durch und sagten uns, was wir einpacken sollten. Außerdem fassten sie zusammen, was wir an diesem Tag erlebt hatten und zeigten Fotos – was mir besonders gut gefallen hat.
Morgens nach dem Frühstück wurden wir gruppenweise zum Treffpunkt am Schiff gerufen. Dort holten wir unsere Schnorchelausrüstung ab, zogen Schwimmwesten an und stiegen in die Zodiacs. Anschließend verbrachten wir einige Stunden damit, durch den Regenwald zu wandern oder auf einer wunderschönen Insel zu entspannen. Neben Wildtierbeobachtungen standen auch Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung und Stadtbesichtigungen auf dem Programm. Anschließend kehrten wir zum Schiff zurück und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel.
Wichtig zu erwähnen ist, dass die Expeditionsaktivitäten freiwillig waren. Wie auch ich verzichteten einige Gäste auf einzelne Ausflüge. Denn bei aller Entdeckerlust war es ja auch Urlaub – und dazu gehört auch, sich einmal Zeit zum Entspannen zu nehmen.

Abgesehen davon waren die Landausflüge jedoch ein absolutes Highlight meiner Reise. Das ist nicht zuletzt dem Expeditionsteam zu verdanken: Die Teammitglieder waren kompetent, gut gelaunt und sorgten stets für unsere Sicherheit. Außerdem war deutlich zu spüren, dass ihnen die Orte, die wir besuchten, wirklich am Herzen lagen. Sie haben alles daran gesetzt, keine Spuren zu hinterlassen und bei den Einheimischen einen positiven Eindruck zu erwecken.
Die Mischung aus Abenteuer und Komfort macht die Reise abwechslungsreich.
Ich weiß, dass eine schicke Kreuzfahrt durch Mittelamerika vielleicht nicht besonders anspruchsvoll klingt. Doch manchmal war sie das durchaus! Bei den Zodiac-Fahrten klatschnass zu werden und dann in die brechenden Wellen zu springen, war nicht immer einfach. Genauso wenig wie das Klettern über Felsen, um eine versteckte Bucht auf einer malerischen Insel zu entdecken. Von der Hitze und Luftfeuchtigkeit ganz zu schweigen – ob im Regenwald oder an Orten wie Panama-Stadt und Cartagena.
Nun mag ich Luxus genauso gerne wie jeder andere Reisende auch. Doch genau dieser Kontrast zwischen den Landaktivitäten und dem Bordleben hat meine Tage erst richtig interessant gemacht. Morgens kam ich beim Erkunden eines Nationalparks ins Schwitzen und wurde ganz schmutzig. Zurück auf dem Schiff sprang ich dann in die geräumige Regendusche meiner Kabine. Später gab es ein paar Cocktails und ein leckeres Vier-Gänge-Menü. Wem würde das nicht gefallen?

Besonderes Highlight waren die Menschen
Nicht unerwähnt bleiben darf die hervorragende Crew der SH Diana. Vom Kapitän über das Expeditionsteam bis hin zum Servicepersonal – alle waren sehr engagiert, freundlich und zuvorkommend. Vor allem das Servicepersonal hat die richtige Balance zwischen Herzlichkeit und Professionalität gefunden. Mein persönlicher Butler hat mich herausragend betreut. Er kümmerte sich um all meine Wünsche und sorgte dafür, dass meine Kabine stets in tadellosem Zustand war. Gegen Ende der Reise war ich wirklich traurig, mich von den Menschen verabschieden zu müssen, die dieses Erlebnis so wunderbar gemacht hatten.

Eine Expeditionskreuzfahrt war selbst für einen erfahrenen Reisenden wie mich eine aufschlussreiche Erfahrung: Ich weiß jetzt, dass es Kreuzfahrten gibt, bei der Bildung und Entdeckungen stärker im Mittelpunkt stehen als Unterhaltung an Bord. Vielleicht werde ich doch noch zum begeisterten Kreuzfahrtfan.