Die vier Jahreszeiten von Zingst

18.09.2017

Hier atme ich durch. Hier lebe ich in den Tag hinein – ohne Pläne und ohne den Drang Neues zu erkunden. In der einen Minute bohre ich meine Zehen in den weißen Sand und lasse meine Füße von der glasklaren Ostsee umspülen. In der anderen genieße ich ein Fischbrötchen mit Blick auf die vorbeifahrenden Zeesenboote und lausche dem Ruf der Kraniche, die so wie ich in Zingst zur Rast kommen.

Es ist die Nähe zwischen dem weißen Ostseestrand und dem mit Schilf bewachsenen Ufer des Barther Boddens, die für mich den besonderen Reiz von Zingst ausmachen. Am östlichen Ende der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gelegen, beträgt die Breite der Halbinsel teilweise unter zwei Kilometern – eine Strecke, die ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad schnell zurücklegen kann. Außer ich verliere mich beim Stöbern in einer der Galerien oder genieße in einer Bar mit Seemannstau, Fackeln und Holzstühlen einen Aperol Spritz. Oder einen Sandornpunsch – je nach Jahreszeit.

 

A post shared by Ostseeheilbad Zingst (@zingstagram) on

Im Gegensatz zu einigen Urlaubszielen, die wie Griechenland vor allem im Sommer reizen, kann mich Zingst das ganze Jahr über begeistern. Jede Jahreszeit hat für mich ihren eigenen Charme mit individuellen Ausflugszielen, die ich empfehlen kann.

Zingst im Frühling

Im Frühling genieße ich hier die ersten Sonnenstrahlen auf meiner winterweißen Haut. Ich atme die leicht salzige Luft ein und lausche in eine Jacke gekuschelt den Wellen am Strand. Letzteres kann ich auch bei offenem Fenster tun, sofern ich in erster Reihe an der Seestraße übernachte.

 

A post shared by Frank Zahsack (@zappel65) on

Tagsüber genieße ich am liebsten eine Fahrradtour durch die Natur, die in Zingst so vielfältig wie die Muscheln am Strand ist. Am liebsten fahre ich über den Deich Richtung Pramort, am östlichen Zipfel von Zingst. Der Weg führt mich direkt durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, vorbei an hunderten von Birkenstümpfen, die der Rückeroberung des Regenmoores nicht standhalten konnten. Vorbei an den Dünen- und Heidegebieten der Sundischen Wiesen und durch den Osterwald mit seinen Urweltmammutbäumen.

In Pramort angekommen, belohnt die Aussicht auf die weitläufige Boddenlandschaft und auf die Hohe Düne, dem gewaltigsten Dünenfeld der südlichen Ostsee. Ebenfalls zu sehen: die Künstlerinsel Hiddensee, die für mich ein weiteres Frühlingshighlight darstellt.

Vom Zingster Hafen aus erreicht man Hiddensee binnen drei Stunden mit dem Schiff und genießt dabei den Blick auf verschilfte Boddenufer und auf die grüne Vogelschutz-Insel Kirr. Hier bleibt mein Blick stets an den hunderten Kranichen hängen, die im Frühling das erste Mal in Zingst rasten. Auf Hiddensee angekommen empfehle ich sich zu Fuß, per Rad oder mit der Pferdekutsche fortzubewegen. Von März bis Mai kann man hier wunderbar die gelblichen Blüten des Sanddorns genießen, die zahlreich auf der wilden Insel wachsen.

 

A post shared by Ostseeheilbad Zingst (@zingstagram) on

Zingst im Sommer

Im Sommer ist natürlich der kilometerlange weiße Sandstrand mein absolutes Highlight. Was viele nicht wissen: So wie Rügen und Usedom zählt auch Zingst zu den sonnenreichsten Orten Deutschlands. Mit durchschnittlich über 2.000 Sonnenstunden im Jahr verwöhnt die Region mit bestem Wetter und ermöglicht das Baden in der Ostsee – ob nackt, mit Badeanzug, Surfbrett unter den Füßen oder mit Hund. Die verschiedenen Strandabschnitte inklusive FKK-, Sport- und Hundestrand ermöglichen es.

Besonders für Familien mit Kindern ist der Strand einfach nur herrlich. Dank des flach abfallenden Strandes kann ich stundenlang entspannt meiner Tochter zuschauen, wie sie mit Eimer und Schaufel bewaffnet Ostseewasser für ihre Kleckerburg besorgt. Dabei lese ich ein Buch und lasse mich von der Sonne wärmen.

 

A post shared by • Stephie • (@regenbogenkolibri) on

Ein weiteres Highlight im Sommer ist das Tonnenabschlagen. Dieser vermutlich aus Schweden eingeführte Brauch ist ein richtiges Spektakel. Von Juni bis August gibt es über die Insel verteilt verschiedene Events, bei denen ein Heringsfass geschmückt und hoch aufgehängt wird. Die Tonnenbundbrüder und -schwestern reiten im Galaopp an dem Fass vorbei, und versuchen es mit einem schweren Hartholzknüppel zu zerschlagen. Als Bodenkönig, wird derjenige gekürt, der den Fassboden abschlägt. Als Tonnenkönig, wer den letzten Holzsplitter vom Haken schlägt. Die Ehre des Sandkönigs wird dem zuteil, der zuerst vom Pferderücken fällt.

Zingst im Herbst

Der Herbst ist für mich die Zeit der Kranichbeobachtung. Wenn auf der Kirr der Hochnebel steht, die Sonne mit ihren ersten Strahlen den Himmel in Gold- und Rottöne färbt und der Ruf der Kraniche durch die fast zauberhafte Stille hallt, ist der Augenblick für mich perfekt. Selbst abends lausche ich oft bei offenem Fenster dem Ruf der Vögel, während ich mit einem Glas Rotwein vorm offenen Kamin sitze und in die Flammen blicke.

Tagsüber spaziere ich gerne durch den Osterwald und entlang des Strandes. Um den Kopf richtig frei zu bekommen, schlendere ich gerne über die 270 Meter lange Seebrücke, strecke meine Nase in den Wind und lasse mir meine Haare zerzausen. Nachmittags lockt mich wieder die Hafenrundfahrt – Kraniche beobachten. Auch eine Rundfahrt nach Hiddensee hat für mich im Herbst einen ganz besonderen Reiz. Statt gelber Blumen hängen an den silberfarbenen Sanddornbüschen knallorangefarbene Beeren – umrahmt von lilablühender Heide.

 

A post shared by Ostseeheilbad Zingst (@zingstagram) on

Zingst im Winter

Mein absoluter Lieblingsplatz im Winter ist der Ponton im Hafen. Bei einem Glas heißen Tee kann ich in dem komplett verglasten Restaurant mit Reetdach den Blick über den Bodden schweifen lassen und meinen Gedanken nachhängen. Kreative Gaumenfreuden sowie das Interieur mit kupferfarbener Destillerie und weißen Designerstühlen mit Kunstfellbezug runden das Erlebnis unter Wärmelampen ab.

Atemberaubend schön ist auch der Strand bei Schnee und Eis – wenn auch ein kaltes Vergnügen. Der Blick auf die völlig vereisten Bohlen entschädigt mich jedoch für verfrorene Hände und Nase, und wenn es dann doch einmal zu kalt ist, fahre ich ins rund eine Autostunde entferne Stralsund und lausche im Ozeaneum dem Gesang der Wale.

 

A post shared by yvangross (@yvangross) on

Passende Angebote Passende Angebote & mehr

Mehr Tipps & Angebote