Die abenteuerlichsten Zugfahrten der Welt

Zugreisen sind nicht immer gemütlich. Manche sind laut, heiß, ruckelig – aber gerade das kann sie unvergesslich machen. Diese fünf Fahrten lassen den Puls steigen.
Darjeeling Himalayan Railway, Indien – Unterwegs im Spielzeugzug
Schon das erste Pfeifen der Darjeeling Himalayan Railway, im Volksmund aufgrund seiner Größe auch „Spielzeugeisenbahn“ genannt, klingt wie aus einer anderen Zeit. In Serpentinen windet sich die Schmalspurbahn von New Jalpaiguri hinauf nach Darjeeling – über 80 Kilometer und fast 2000 Höhenmeter. Die Geschwindigkeit: kaum schneller als ein Fahrrad. Aber das macht sie umso intensiver.
Während die Lok mit schrillem Pfiff durch Teefelder und Dörfer tuckert, sitzen die Passagiere Schulter an Schulter. Einheimische winken eifrig durch offene Fenster. Manchmal muss der Zug anhalten, weil Kühe auf den Gleisen stehen oder Kinder über die Straße laufen. Es ist kein Hochglanz-Abenteuer, sondern eine Begegnung mit einem Stück gelebter Geschichte.
The Ghan, Australien – Rollen über rotem Sand
Wer glaubt, eine Zugreise sei langweilig, ist noch nie 3000 Kilometer quer durch den kleinsten Kontinent gefahren. Der Ghan verbindet Darwin im Norden mit Adelaide im Süden. In drei Tagen durchquert man Wüsten, Schluchten und das unendliche Nichts des Outbacks.
In der Nacht herrscht eine besondere Stimmung, wenn der Zug mit leisem Donnern über die Gleise rollt und draußen Sterne über rotem Sand flimmern. Ein größerer Zwischenhalt mit Zivilisation ist Alice Springs, eine Stadt mitten im Nirgendwo. Außerhalb hat man keinen Handyempfang und es gibt keine Häuser – nur Hitze, Fliegen und Weite.
Tren a las Nubes, Argentinien – Fahrt zu den Wolken
Der „Zug zu den Wolken“ ist nichts für schwache Nerven. Von Salta aus rattert er bis auf 4220 Meter – eine der höchsten Eisenbahnstrecken der Welt. Je höher man kommt, desto dünner wird die Luft, und an manchen Stellen zieht der Zug so dicht an Felskanten vorbei, dass man die Tiefe unter sich spüren kann.
Das Donnern über Viadukte wie den La Polvorilla lässt die Beine leicht wacklig werden. Aber der Blick über das Hochland der Anden macht alles wett: Weite, Wind, Stille.
Qinghai–Tibet-Bahn, China – Sauerstoffmasken im Wagon
Diese Bahnlinie verbindet Xining mit Lhasa – eine technische Meisterleistung, weil ein Großteil der Strecke über 4000 Meter liegt. Der Zug rollt durch Permafrost, vorbei an Yak-Herden und schneebedeckten Pässen.
Das Abenteuer beginnt, wenn plötzlich der Sauerstoff dünner wird und die Atemluft in der Kabine nach Metall schmeckt. Jedes Zugabteil ist entweder mit Sauerstoffmasken ausgestattet oder die klimatisierte Luft wird direkt mit Sauerstoff angereichert – ein Hinweis darauf, dass man sich in Extremen bewegt. Draußen: türkisfarbene Seen, Gletscher, flirrende Luft. Drinnen: ruhige Gesichter, Tee aus Thermoskannen, und das Gefühl, an einem Ort zu sein, an dem die Zeit stillsteht.
The Reunification Express, Vietnam – Tagelang zu spät
Von Ho-Chi-Minh-Stadt bis Hanoi zieht sich die Strecke des Reunification Express über 1700 Kilometer. Der Zug quietscht, ruckelt, hupt und ist manchmal tagelang verspätet – und genau das macht ihn so besonders.
Tagsüber zieht der Zug vorbei an Märkten, Kühen, Reisfeldern und Kindern, die winken. Nachts klappert das Blech, wenn der Wind vom Südchinesischen Meer hereindrückt. Die Schlafwagen wackeln, und irgendwo riecht es nach gebratenem Reis und Diesel. Es ist kein Luxuszug, sondern ein rollendes Stück Vietnam.