Albanien für Anfänger

27.11.2018

 „Und wo ist Ihr Mann?“ Die erste Frage in jedem Hotel und Restaurant: Alleinreisende Frauen mit Kleinkind im Schlepptau sind in Albanien noch eine Rarität. Umso herzlicher wird man überall empfangen und sorgt mit dem strohblonden Kind im Tragerucksack für reichlich Aufmerksamkeit. Um es vorweg zu nehmen: Albanien ist auch für solo reisende Frauen ein wunderbares Ziel und die Kinderliebe der Albaner legendär. Peniblen Perfektionisten hingegen ist vom Urlaub in Albanien wohl eher abzuraten.

Die große oder die kleine Runde?

Wer nur eine Woche Zeit hat, dem sei die „Klassische Südroute“ ans Herz gelegt. Glücklich all diejenigen, die 2 Wochen oder mehr haben, um auch den wunderschönen Norden, die Alpen Albaniens und die grandiosen Seen zu entdecken.

Albanien ist ein Schwellenland und EU-Aspirant. Die kommunistische Diktatur unter Enver Hoxha ist zwar seit über 25 Jahren passé, es erinnern aber noch triste Wohnsiedlungen, Mängel in der Infrastruktur und hunderttausende Bunker im ganzen Land an die Zeit der kompletten Isolation. Heutzutage wird an jeder Ecke und oft sehr wild und kreativ gebaut.

 

Der Verkehr ist fröhlich-anarchisch: Verkehrsteilnehmer sind neben der Lieblingsautomarke mit dem Stern u.a. Eselskarren, grasende Tiere jeder Art, geisterfahrende vollbepackte Radler und museumsreife Traktoren.

Händler, die am Straßenrand lebende Fische, knallrote Granatäpfel, Kakis, Honig und natürlich Gemüse jeder Art in hervorragender Qualität anbieten.

Umleitungen enden in löchrigen Schotterpisten und im Kreisverkehr gilt das Recht des Stärkeren oder Mutigeren. Dafür dürfte die Tankstellendichte eine der höchsten Europas sein, definitiv gilt das aber für Waschanlagen (Lavazh) und Reifenflicker (Gomista).

Reiseetappen in einer Woche:

Tirana
Die Hauptstadt ist gleichzeitig einzige Metropole des kleinen Landes. In Ausstellungen wie dem Haus der Blätter und BunkArt1 und BunkArt2 kann man sich über die Diktatur und die ehemalige Geheimpolizei Sigurimi informieren. (http://www.visit-tirana.com/things-to-do/museums-in-tirana/37/house-of-leaves, http://albania.al/article/40/bunkart_/)

Ansonsten ist Tirana eine lebensfrohe und genussfreudige Stadt. Abends sind alle auf den Beinen, in der bunterleuchteten Innenstadt genauso wie im Blloku-Viertel. Blloku war unter Hoxha ein abgeriegeltes, allein den Regierungskadern vorbehaltenes Quartier, Heute ist es das Herz des Tiraner Nachtlebens mit hunderten Cafés und Bars. Ebenfalls zu empfehlen ist der neue Bazaar – das Marktviertel. Also, wie die Albaner auf ins Bar-Hopping: auf einen sehr guten Kaffee, frisch gepressten Saft oder einen Raki und eine Kleinigkeit essen. Kostet fast nichts und macht Spaß. 

Apollonia
Die dorische Stadt mit weitläufigen Ausgrabungsstätten bietet einen prima Rundumblick. Die Ruinen können sich Kinder in aller Ruhe erklettern.

 

Riviera-Küste
Vom Nationalpark Orikum geht es Richtung Süden. Steilküste und Buchten, kleine süße Dörfer kleben an den Hängen und unten glitzert das Meer türkis. Immer wieder trifft man auf Hinweisschilder für Wanderer, die den Weg ins Hinterland und zu einsamen und nur mit ein wenig Kraxelei erreichbaren Traumstränden weisen.

Saranda
In der Küstenstadt mit Strandpromenade und Fischrestaurants kommt richtig Urlaubsstimmung auf. Ausflugsschiffe bieten Abstecher nach Korfu an.

Butrint
UNESCO Weltkulturerbe an der griechischen Grenze mit beeindruckender Akropolis und Agora und kleinen Buchten.

 

Blaues Auges: geheimnisvoll türkisschillernde, über 50m tiefe Quelle. Weniger sehenswert ist die wilde Müllhalde in der direkten Umgebung – leider ein Ergebnis fehlender Investitionen in die natürlichen touristischen Highlights.

Gjirokastrë und Berat
Fantastische, alte osmanische und ebenfalls unter UNESCO Weltkulturerbe-Schutz stehende Städte: enge Gassen, bewohnte Festungsanlagen, Moscheen und Tekken. Teilweise werden diese derzeit renoviert. Gegen Feierabend lassen einen die Bauleiter aber gern einen lohnenden Blick hineinwerfen.    

Krujë
In dem Festungsort wird der Nationalheld Skanderbeg, der die Osmanen im 15.Jahrhundert in die Flucht geschlagen hat, verehrt. Souvenirjäger kommen in der netten Bazaarstraße auf ihre Kosten.

Mit Kleinkind unterwegs
Das Land ist mit seinen Ausgrabungsstätten und Baustellen der reinste Abenteuerspielplatz. In Tirana sind reguläre Spielplätze v.a. in den Parkanlagen in gutem Zustand. In den Urlaubsorten finden sich auch in der Nebensaison kleine Karussells und Trampolinburgen. Spielplätze gibt es teils auch an den Stränden und bei Cafés. Vorsicht: Brücken und Geländer sind nirgends in Bestzustand. Heißt: die Löcher sind oft größer als das Kind! Bei Regenwetter sind die Aktivitäten beschränkt, da es kaum Hallenbäder oder andere Indoor-Möglichkeiten gibt.

Windeln kann man in jedem Lebensmittelladen kaufen, Milchpulver und Brei in breiterer Auswahl in den großen Supermärkten oder einer der vielen Apotheken. Spielzeug und Kinderkleidung sind oft sehr genderspezifisch (Prinzessin oder kleiner Macho) und wie überall Geschmacksache. Kindersitze sind Pflicht, daher unbedingt beim Mietwagenverleih vorreservieren und bestätigen lassen. Kinderbetten im Hotel sind die Ausnahme.

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