48 Stunden in Marrakesch

24.08.2017

Marrakesch. Allein der Name verheißt orientalischen Zauber, und tatsächlich ist eine Reise in die marrokanische Königsstadt ein Fest für die Sinne. In den verwinkelten Gassen des Souks wird gehandelt wie seit hunderten Jahren. Gewürze, Lampen, Stoffe, Keramik oder Holzschnitzereien werden lautstark feilgeboten, dazwischen bahnen sich Mopeds und Eselskarren den Weg. Abends versammeln sich auf dem zentralen Platz Djemaa el Fna zahllose Essensstände, dazu Künstler, Wahrsager, Schlangenbeschwörer und Geschichtenerzähler. An jeder Ecke warten neue Eindrücke, und man sagt, wer sich nicht mindestens einmal in der Medina verirrt hat, war nicht in Marrakesch.

Doch bei all der Geschäftigkeit hat Marrakesch auch eine ruhige Seite. Hinter großen Holzportalen verstecken sich die stillen Innenhöfe orientalischer Paläste und Riads, mit bunten Mosaiken und Springbrunnen. Hier, oder auf den Dachterrassen der alten Gebäude, trinkt man süßen Minztee und erholt sich vom Trubel draußen. Auch alte Baudenkmäler wie die ehemalige Koranschule Medersa Ben Youssef oder die herrlichen Gärten vor den Toren der Stadt sind eine Oase der Ruhe.

Und so kann ich Marrakesch nur jedem empfehlen, der eine Städtereise der anderen Art machen will. Raus aus dem geordneten europäischen Alltag, rein das exotische Gewirr aus Tausendundeiner Nacht.

5 Dinge, die ich noch nicht über Marrakesch wusste

  • Marrakesch war schon immer Sehnsuchtsort der Reichen und Schönen. In den 60er Jahren kamen Bohemiens wie Mick Jagger, Andy Warhol und Yves Saint Laurent. Heute besitzen beispielsweise Madonna, Michael Douglas, Kate Moss und Sting Villen in Marrakesch. Wer keine eigene Immobilie hat, steigt im Luxushotel La Mamounia ab. Gefeiert wird im Pacha – dem größten Club ganz Afrikas, in dem auch mal David Guetta auflegt.
  • Das Schauspiel, das sich mit Einbruch der Dunkelheit auf dem „Gauklerplatz“ Djemaa el-Fna abspielt, ist so einzigartig, dass die Unesco-Kommission dafür eine eigene Kategorie erschaffen musste: Der Platz wurde als erstes „immaterielle Erbe der Menschheit“ anerkannt.
 

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  • McDonalds versucht angeblich seit Jahren, ein Restaurant am Djemaa el Fna zu eröffnen. Doch die Stadtverwaltung wehrt sich standhaft gegen den Einzug westlicher Fastfood-Ketten und Markenläden in den historischen Stadtkern.
  • Der Kinofilm Sex and the City 2 aus dem Jahr 2010 wurde größtenteils in Marrakesch gedreht. Der Film spielt zwar offiziell in Abu Dhabi, aber die Arabischen Emirate erteilten keine Drehgenehmigung. Das luxuriöse Hotel, in das die vier Freundinnen reisen, ist das „Sahara Palace“ mit Blick auf das Atlasgebirge. Weitere Szenen wurden im La Mamounia und im Amanjena Hotel gedreht.
  • Dass Frauen im islamisch geprägten Marokko nicht allzu freizügig gekleidet sein sollten, ist allseits bekannt. Aber auch Männer können ins modische Fettnäpfchen treten. In Marokko gelten Tank Tops als Unterhemden und Shorts als Unterhosen – und ihre Träger werden ausgelacht.

Wo schlafe ich?

Unbedingt in einem Riad-Hotel in der Altstadt. Riad bedeutet wörtlich „Garten“ und bezeichnet die traditionellen marokkanischen Häuser und Paläste, die um einen begrünten Innenhof herum gebaut sind. Hinter ihren dicken Außenmauern bieten sie einen ruhigen und vor allem schattig-kühlen Rückzugsort. Viele dieser Gebäude wurden in kleine Hotels umgewandelt, die jeweils nur wenige Zimmer auf zwei oder drei Etagen haben. Das Frühstück wird oft auf der Dachterrasse serviert, mit schönem Blick über die Dächer der Stadt.

Riads gibt es für jeden Geldbeutel, von der günstigen Pension bis hin zum luxuriösen Boutique-Hotel. Manch wahre Schmuckstücke sind nicht auf den üblichen Hotelwebseiten gelistet sondern nur per Telefon oder Email zu reservieren. Davon sollte man sich auf keinen Fall abschrecken lassen.

 

Da Riads meistens in versteckten Seitengassen und hinter unscheinbaren Türen liegen, findet man sie nicht so leicht. Autos und Taxis kommen nur bis zu den Stadttoren an die Medina heran, daher lässt man sich am besten von da abholen und das letzte Stück zu Fuß bis zum Riad führen.

Was muss ich sehen?

Am besten lässt man sich in Marrakesch einfach treiben und von den exotischen Farben, Gerüchen, Klängen, Menschen und Erlebnissen mitreissen. Das Umherstreifen in den Gassen, das Handeln um Souvenirs, ein Schwätzchen mit den Einheimischen und Dutzende Gläser süßen Minztees in kleinen Cafés machen schon den größten Teil eines Marrakesch-Urlaubs aus. Dennoch gibt es natürlich einige Sehenswürdigkeiten, die man auf der Liste haben sollte.

Souks

Die Souks von Marrakesch sind die Lebensader der Stadt, und das Gassenlabyrinth mit den vielen Waren, Farben und Gerüchen können beim ersten Besuch ziemlich überwältigend sein. Am besten lässt man sich einfach treiben, zunächst durch die Hauptgassen, beim nächsten Besuch durch die kleinen Seitengassen, wo man auch den Handwerkern in ihren Werkstätten zusehen kann. Im scheinbaren Durcheinander hat alles seine Ordnung. Alle Waren und Handwerke haben einen bestimmten Bereich. Zunächst läuft man durch Marktgassen mit Nüssen und Trockenfrüchten, dann Stoffen und Kleidung. Ein Platz namens Rahba Qedima ist hauptsächlich Gewürzen und Apothekerständen gewidmet. Auf der anderen Seite der Medina liegen die Handwerker-Souks: Leder, Pantoffeln (sogenannte Babouches), Färber, Schmiede und Holzschnitzer. Regel Nummer eins im Souk lautet: Handeln! Mit etwas Übung macht es sogar großen Spaß. Man sollte mindestens auf unter die Hälfte des erstgenannten Preises kommen.

 

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Medersa Ali ben Youssef

Die einst größte Koranschule Marokkos wurde 1570 erbaut und ist eines der schönsten Bauwerke in Marrakesch. Durch ein riesiges Portal betritt man einen großen Innenhof aus Marmor, in dessen Mitte sich ein aufwändig verziertes Wasserbecken befindet. Wände und Säulen schmücken kunstvolle Mosaike, Stuck und Zedernholzschnitzereien. Bis zu 900 Schüler sollen in den Schlafzellen im ersten Stock gewohnt haben, um an der Koranschule Recht und Theologie zu studieren. Wer die Atmosphäre dieses Ortes in Ruhe auf sich wirken lassen möchte, sollte am besten ganz früh oder abends kurz vor Schließung da sein.

 

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Gärten

Im Islam sind Gärten das irdische Abbild des Paradieses, und so ist Marrakesch seit jeher eine Gartenstadt. Der Jardin Majorelle befindet sich im Stadtteil Guéliz, rund 20 Minuten zu Fuß entfernt vom Djemaa el Fna. Der außergewöhnliche Garten mit Palmen, Kakteen und Bambus wurde 1923 vom französischen Maler Jacques Majorelle angepflanzt. Er schuf mit Pavillions, Pflanzkübeln und Wasserbecken in Kobaltblau und Gelb einen markante Farbakzente. 1980 kaufte Yves Saint Laurent das verwilderte Gelände und baute es wieder auf. Im ehemaligen Atelier des Modeschöpfers kann man außerdem dessen private Berber-Kunstsammlung ansehen.

Ein weiterer Garten, der unbedingt einen Besuch lohnt, ist der Jardin de la Ménara. Er ist ein öffentlicher Park, hervorgegangen aus einer Oliven- und Obstplantage rund um ein zentrales 150x200 Meter großes Wasserbecken. Der Park wurde im 12. Jahrhundert angelegt und steht auf der Unesco-Weltkulturerbeliste. Der ockerfarbene Pavillon des Menara-Gartens vor dem verschneiten Atlas-Gebirge gehört zu den beliebtesten Postkartenmotiven Marrakeschs.

 

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Was mache ich abends?

Ein Besuch des Djemaa el Fna am Abend ist ein Muss. Der Platz ist das Herz der Stadt, ein faszinierender Treffpunkt, Freilufttheater und –restaurant in einem. Schlangenbeschwörer, Tänzer, Geschichtenerzähler, Henna-Malerinnen, sogar „Zahnärzte“ und Schamanen finden jeden Abend auf dem Platz ihr Publikum. Dutzende Essensstände brutzeln in ihren offenen Garküchen verschiedene Fleischspieße und Beilagen. Das Essen ist frisch und günstig, auch wenn man nach einer Weile feststellt, dass fast alle Stände das gleiche anbieten.

 

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Will man den Straßenkünstlern zusehen oder sie fotografieren, sollte man genügend Kleingeld dabei haben. Denn gratis ist im geschäftstüchtigen Marrakesch fast nichts. Wieviel man letztendlich bezahlt, bleibt einem aber selbst überlassen.

Wer das Treiben lieber aus der Ferne betrachtet, hat von der Dachterrasse des Café de France bei Sonnenuntergang den schönsten Blick.

Was esse ich?

Auch wenn man einmal die Open-Air-Küchen auf dem Djemaa el Fna besuchen sollte – das Essen dort ist kein kulinarisches Highlight und besteht meist aus einfachen Fleischspießen, Reis oder Couscous und Salaten – sehr viel besser isst man in den Restaurants der Riads, wo man im romantischen Kerzenschein entweder um den plätschernden Springbrunnen herum im Innenhof oder auf der Dachterrasse sitzt. Gute Adressen dafür sind das Naranj, das Dar Cherifa, La Table du Palais oder Le Tobsil.

 

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Auf fast allen Speisekarten zu finden ist Tajine, ein Schmorgericht aus dem Keramik-Topf. Es gibt sie in unzähligen Varianten, mit Gemüse, Hähnchen oder Rind, meist gut gewürzt und mit Rosinen oder Datteln gesüßt. Ganz Mutige probieren lokale Spezialitäten wie Schneckensuppe oder Schafshirn.

Tagsüber bieten sich für einen Stopp die vielen kleinen Cafés in der Medina an, die meist ebenfalls einen ruhigen Innenhof oder eine Dachterrasse bieten. Empfehlenswert sind zum Beispiel das Kafe Merstan, Limoni, Café Atay oder das bekannte Café des Épice mit Blick auf das Markttreiben auf dem Place des Épices. Hier genießt man den typischen Thé à la Menthe, süßen Grüntee mit frischer marokkanischer Minze, serviert in kleinen verzierten Teegläsern.

 

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Als kleinen Durstlöscher zwischendurch verkaufen in der ganzen Stadt Stände frisch gepresstem Orangensaft für ca. 4 Dirham (etwa 40 Cent). Der ist so lecker, dass ich mir jeden Tag ungefähr fünf Gläser davon gegönnt habe.

Was darf ich auf keinen Fall verpassen?

Wer noch etwas Zeit übrig hat und in die marokkanische Kultur eintauchen möchte, kann zum Beispiel an einem Kochkurs teilnehmen. Einer marrokanischen Köchin über die Schulter und in die (Gewürz-)Töpfe zu schauen und selbst das Feuer unter der Tajine anzuheizen, ist ein tolles Erlebnis. Es gibt offizielle Kochschulen, zum Beispiel La Maison Arabe oder Amal, die Workshops zu festen Terminen geben und einen Abhol-Service vom Hotel bieten. Man kann aber auch einfach im eigenen Riad fragen, ob man die Köchin zum Markt begleiten oder ihr in der Küche zur Hand gehen darf.

 

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Was muss ich sonst noch wissen?

Früher mussten sich Touristen in Marrakesch vor Taschendieben und Kleinkriminellen fürchten. Mittlerweile hat die Stadt eine Touristen-Polizei eingeführt, die an allen zentralen Plätzen für Ordnung sorgt. Trotzdem sollte man im Gewirr der Gassen immer auf seine Wertsachen achten und gesunden Menschenverstand beweisen, um nicht in Touristenfallen zu tappen. Bei allzu forschen Händlern oder selbsternannten Fremdenführern, den sogenannten „Faux Guides“, hilft ein klares Nein. Wenn man einmal nach dem Weg fragen muss, sollte man das Trinkgeld für die Auskunft vorher vereinbaren.

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