Stornierte Reisen: Bundesregierung für flexiblere Handhabung von Erstattungen

05.04.2020

Die Bundesregierung will sich bei der EU dafür einsetzen, dass die Erstattung von pandemiebedingt stornierten Reisen künftig auch in Form eines Gutscheins erfolgen kann. Eine Gesetzesänderung zu abgesagten Veranstaltungen ist ebenfalls geplant.

Künftig möglich? Gutschein statt Geld zurück für Pauschalreisen und Flüge
Die Rechte von Reisenden sind in der EU und Großbritannien einheitlich geregelt. Sowohl in der Pauschalreiserichtlinie als auch in der Fluggastrechteverordnung gilt: Wird eine Reise vom Veranstalter abgesagt, erhält der Kunde innerhalb einer Frist von 7–14 Tagen das Geld zurück.

Die angestrebte Regelung soll ermöglichen, dass Pauschalreisen und Flüge künftig als Gutschein erstattet werden, wenn der Veranstalter wegen der Corona-Epidemie storniert. Der Gutschein soll bis Ende 2021 gelten. Nutzt man ihn nicht, würde der Kaufpreis nach Ablauf dieser Frist erstattet. Betroffen wären alle Reisen, die vor dem 8. März gebucht wurden.

Mehr Sicherheit für Reiseveranstalter – aber auch für Reisewillige
Weil derzeit nicht absehbar ist, wann der Reiseverkehr wieder aufgenommen werden kann, stehen Airlines und Veranstalter vor folgendem Problem: Auf die aktuelle Stornowelle könnte die nächste folgen – und die Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen, wenn die weiterhin laufenden Kosten nicht mehr gedeckt werden.

Je länger die Reisebeschränkungen noch gelten, desto stärker ist die Existenz vieler Veranstalter bedroht. Eine Gutscheinlösung würde sie und die Airlines dabei unterstützen, die Wiederaufnahme des Reiseverkehrs zu sichern, wenn die Pandemie vorbei ist. So dürfen sich auch die Kunden sicher sein, dass sie ihre Reise überhaupt antreten können – wenngleich später als ursprünglich geplant.

Nachdem sich Verbraucherschützer kritisch zu den Plänen der Bundesregierung geäußert haben, wird nun auch eine Staatsgarantie für den Fall einer Insolvenz des Reiseanbieters diskutiert, wie Spiegel Online berichtet. Sie soll dafür sorgen, dass beispielsweise Inhaber eines umgewandelten Flugtickets nicht auf den Gutscheinen sitzen bleiben, falls sich der Bankrott einer Airline nicht abwenden lässt.

Bei Pauschalreisen ist der Kunde in solch einem Fall ohnehin geschützt: Der vorgeschriebene Reisepreissicherungsschein garantiert, dass Sie bei einer Zahlungsunfähigkeit des Veranstalters ihr Geld trotzdem zurückerhalten.

Neubuchungen nicht betroffen
Von den angestrebten Änderungen nicht betroffen wären übrigens neue Buchungen, die nach dem 8. März getätigt wurden. Hier bieten viele Veranstalter aktuell sogar sehr attraktive Stornierungsbedingungen – viele Airlines beispielsweise haben die Umbuchungsgebühren für Flüge gestrichen, die zum Spartarif gebucht wurden

Event-Branche stützen, Nachhol-Termine sicherstellen
Die derzeit geltende Kontaktsperre ist bis 19. April angesetzt, möglicherweise wird der Zeitraum noch verlängert. Weitere Events, für die der Ticketverkauf schon vor vielen Monaten begonnen hat, wären betroffen.

Wie im Reisebereich sind lange, kostenintensive Planungsphasen auch bei öffentlichen Großveranstaltungen üblich. Damit die Organisatoren für Nachhol-Termine sorgen können, muss die Finanzierung der Veranstaltungen weiterhin gewährleistet sein.

Fiel bisher ein Event aus, beispielsweise weil schlechtes Wetter einen Sportwettkampf im Freien unmöglich machte, wurde meist ein Ersatztermin organisiert und das Ticket behielt seine Gültigkeit. Inwieweit Terminzusagen für die Zukunft derzeit Sinn machen, ist jedoch fraglich.

Verschiebung von Veranstaltungen derzeit schwer planbar
Der von der Bundesregierung veröffentlichte Vorschlag sieht deshalb vor, dass Tickets, die vor dem 8. März gekauft wurden, in Gutscheinform erstattet werden können, wenn das Event wegen gesetzlicher Bestimmungen zur Pandemie-Eindämmung ausfällt. Auch hier soll gelten: Wird der Gutschein bis 31. Dezember 2021 nicht eingelöst, gibt es Geld zurück.

Gesetzesänderungen ausstehend
Die geschilderten Änderungsvorhaben wurden am 8. April vom Kabinett beschlossen. Über die Regelungen bei Veranstaltungen muss nun zunächst der Bundestag abstimmen. Flüge und Pauschalreisen hingegen sind über europäische Richtlinien und Verordnungen geregelt – Sie fallen in die Zuständigkeit der EU.

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Quellen:
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/im-sogenannten-corona-kabinett-der-bundesregierung-wurde-heute-folgender-beschluss-fuer-eine-gutscheinloesung-bei-pauschalreisen-flugtickets-und-freizeitveranstaltungen-gefasst--1738744

https://www.spiegel.de/wirtschaft/ausgefallene-reisen-wegen-coronavirus-gutschein-statt-rueckzahlung-a-036126d1-e0a5-41f1-88d8-7cbcf67a3336

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