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USA: Busreisen für den kleinen Geldbeutel

Seit fast 100 Jahren steht der Windhund – er ist das Emblem der Greyhound Buslinien – für zügiges Reisen auf den Straßen der USA. Zwar fahren die meisten Amerikaner bevorzugt mit dem eigenen PKW und legen größere Strecken am liebsten mit dem Flugzeug zurück, doch gerade zwischen den relativ nahe bei einander liegenden Metropolen im Nordosten gilt Busfahren als günstige Reisealternative.

Weil die Nachfrage nach besonders preiswerten Verbindungen zwischen New York, Boston, Philadelphia und Washington D.C. im Lauf der Zeit immer größer geworden ist, hat der altbewährte Greyhound hier jedoch seit einigen Jahren mit starker Konkurrenz zu kämpfen: Längst haben sich die so genannten Chinatown Busse neben dem Marktführer etabliert und buhlen mit regelrechten Dumpingpreisen um Kunden.

Für 10 bis 20 Dollar von Manhattan ins Zentrum von Boston – günstiger als mit dem Chinatown Bus kann man die knapp 350 Kilometer lange Strecke kaum zurücklegen. Einst gegründet, um Arbeiter aus den Chinesenvierteln der großen Städte im Nordosten der USA günstig von A nach B zu bringen, entwickelten sich die Busse zwischen den verschiedenen Chinatowns der Region ab 1998 schnell zu einem Geheimtipp unter Studenten und jungen Backpackern.

Neben dem günstigen Preis sorgte vor allem die zentrale Lage der jeweiligen Chinatowns, wo die Busse abfahren und ankommen, für den Erfolg von den Anbietern wie Fung Wah Bus, dem Pionier der Branche. Das Konzept ging auf: Heute wird eine Vielzahl an Routen bedient und immer mehr chinesisch-amerikanische Firmen mischen in dem Geschäft mit den Billig-Bussen mit. Mittlerweile werden sogar Langstrecken angeboten. Ein Trip mit dem Chinatown Bus von New York ins über 1700 Kilometer entfernte Orlando kostet um die 80 Dollar – dauert allerdings rund 18 Stunden.

Nachdem es in den letzten Jahren mehrmals zu Unfällen von Chinatown Bussen gekommen ist, kontrollieren die zuständigen Behörden den Wartungszustand der Fahrzeuge und die Qualifikation der Busfahrer heute strenger. Auch die angebliche Verwicklung einiger chinesisch-amerikanischer Buslinien-Betreiber in das organisierte Verbrechen sorgte immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Um deren Folgen kleinzuhalten, und weil Greyhound mittlerweile ebenfalls einige Billig-Verbindungen anbietet, haben viele Chinatown Busse ihren Service verbessert und ermöglichen nun zum Beispiel den Online-Kauf von Tickets.

Immer wieder kritisiert wird jedoch bis heute die Sauberkeit vieler Fahrzeuge, insbesondere in den Abendstunden, wenn sie schon den ganzen Tag über im Einsatz waren. Der Beliebtheit der Chinatown Busse tut dies offensichtlich keinen Abbruch: Auch an der Westküste der USA, zum Beispiel in der Bucht von San Francisco und dem Großraum Los Angeles, hat sich ein relativ dichtes Netz an Chinatown Bussen entwickelt. Ähnlichen Beschwerden sehen sich jedoch auch die Greyhounds immer wieder ausgesetzt. Abenteuerlustig gestimmten Reisenden, denen ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis wichtiger ist als ein frisch gereinigter Sitz, kann man die Chinatown Busse also durchaus empfehlen – zumindest für kürzere Fahrten.

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Ein Tipp zu
Marco

Travelzoo, München
Montag, 24. September 2012
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Marco de Martino