Auf und davon – 10 Tipps für Alleinreisende

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Ich kann mich noch an das Gefühl erinnern, als ich meine erste große Reise vollkommen alleine angetreten habe: Ich war 24 Jahre jung und stand kurz davor, ein Flugzeug nach Kolumbien zu besteigen. Allein. Als Frau. Mit rudimentären Spanisch-Kenntnissen. Panik stieg in mir auf, und es quälten mich Fragen wie: Was wenn ich niemanden kennen lerne? Wenn ich ganz allein bin die ganze Zeit? Welche Gefahren lauern auf mich? Was passiert, wenn ich verschwinde? Würde es überhaupt jemandem auffallen? Und vor allem: Hab ich noch alle Tassen im Schrank?

Aber was soll ich Ihnen sagen. Trotz all dieser Fragen, trotz der Panik, war es der beste Urlaub, den ich in meinem ganzen Leben hatte. Damit Sie die Phase der Panik gleich hinter sich lassen und sich ganz der ultimativen Erfahrung des Alleinreisens hingeben können, möchte ich Ihnen hier ein paar Tipps zur Hand geben.

Aber zuerst die Frage…

…warum sollten Sie allein reisen?

Gegenfrage: Warum nicht? Zugegeben, alleine in den Urlaub zu fahren mag nicht jedermanns Sache sein, aber es ist auf alle Fälle eine Erfahrung. Und es hat einige Vorteile:

  • Man ist flexibler: Keine Lust auf Sightseeing, Wandern oder Baden? Sie entscheiden!
  • Man kommt leichter mit Einheimischen und anderen Reisenden in Kontakt (man will ja nicht die ganze Zeit alleine sein)
  • Man kann endlich mal spontan sein: Ihnen fällt beim Frühstück ein, dass Sie schon immer mal tauchen lernen wollten? Dann ab zur Tauchschule! Sie durchkreuzen niemandes Pläne!
  • Man wird selbstbewusster: Fremde Menschen ansprechen war bisher nicht so Ihr Ding? Sie werden diese und andere Hürden zwangsläufig meistern müssen und es bringt Sie im Leben einen großen Schritt vorwärts, versprochen.
  • Keine Kompromisse: Sie suchen das Hotel aus, Sie bestimmen die Route, Sie bestimmen das Tempo. Herrlich!

So, jetzt aber zu den Tipps. Deswegen sind Sie ja hier, oder?

1. Klein anfangen

Wenn man das erste mal allein auf Reisen geht, ist das schon Herausforderung genug. Deshalb sollt man sich am Anfang nicht gleich mit einem mehrwöchigen Trip durch den Dschungel selbst überfordern (ich spreche da aus Erfahrung). Fangen Sie doch mit einem Solo-Städtetrip an, vielleicht sogar innerhalb Deutschlands. Dann kann man sich erstmal mit den Eigenheiten des Alleinreisens vertraut machen und austesten, ob es einem wirklich gefällt. Außerdem dauert ein Städtetrip meist nicht so lange und langweilig wird einem auch nicht schnell. Sehenswürdigkeiten sind gut ausgeschildert, Touristeninfos an jeder Ecke und andere Reisende relativ leicht zu identifizieren.

2. Backpacker-Unterkünfte buchen

Oft haben Hostels einen eher negativen Ruf: zu schäbig, zu voll, zu schmutzig. Mittlerweile haben sich die Unterkünfte aber auf die steigenden Ansprüche der Reisenden angepasst. So gibt es bereits einige Luxus-Hostels mit Einzelzimmern oder gar Suiten. Der Vorteil an Mehrbettzimmern ist aber, dass man als Solo-Traveller leichter mit anderen Touristen ins Gespräch kommt. Allerdings muss man zugegebenermaßen dazu nicht gleich ins 30-Bett-Zimmer gehen. Die anderen Reisenden trifft man auch in den Aufenthaltsräumen.

3. Essen verbindet

Eine meiner größten Ängste vor meinem ersten Solotrip war das alleine Essen. Also hab ich mich am Anfang mit einer Tüte Take-Away im Hotelzimmer verbarrikadiert. Doofe Idee! Denn am leichtesten lernt man Land und Leute beim Essen kennen! Nur eines sollte man nicht tun: sich in die hinterste Ecke des Restaurants verkriechen. Setzen Sie sich an die Bar, fangen Sie ein Gespräch mit dem Personal an, fragen Sie sie nach Tipps (es sind Locals, die kennen sich aus), lassen Sie sich landestypische Speisen empfehlen. Wenn Sie keine Lust auf Gespräche haben, dann nehmen Sie sich ein Buch mit oder beobachten einfach nur das Treiben im Lokal. Auch toll: Sich auf die Terrasse setzten und das Straßengewimmel beobachten. Und glauben Sie mir, niemandem fällt es auf oder interessiert es auch nur, dass sie da alleine sitzen.

4. Sich einer Gruppe anschließen

Ok, Sie haben sich dazu entschlossen, allein zu reisen. Aber es spricht doch nichts dagegen, sich auch mal einer geführten Reisegruppe anzuschließen oder? Nicht unbedingt die ganze Zeit, ok. Aber warum eigentlich nicht mal an einer Stadtführung teil nehmen? So lernt man im Handumdrehen neue Leute kennen und ganz nebenbei auch noch die Umgebung. Allein reisen heißt ja nicht auch gleichzeitig, immer allein zu sein.

5. Undercover

Ein wichtiges Thema beim Alleinreisen ist natürlich die Sicherheit. Wenn man solo unterwegs ist, ist man auch ein leichteres Ziel für Kriminelle. Deshalb ist das A und O: Bleiben Sie unauffällig. Sie wollen Ihr neues Hard-Rock-Cafe T-Shirt anziehen? Warten Sie lieber damit, bis Sie wieder daheim sind. Die Kamera um den Hals, um sie schnell griffbereit zu haben? Nehmen Sie sich lieber die paar Sekunden, um sie aus der Tasche zu holen. Den Reiseführer immer in der Hand? Bereiten Sie sich besser in Ihrer Unterkunft darauf vor, was sie alles sehen wollen und stellen sich vorher eine Route zusammen.

6. Mit Händen und Füßen…

…kann man sich zwar auch verständigen, aber es hilft ungemein, die Landessprache zumindest ein bisschen zu beherrschen. Sie müssen nicht unbedingt die neuesten atomphysikalischen Abhandlungen diskutieren können, aber nach dem Weg fragen, essen bestellen, ein Hotelzimmer reservieren oder einen Ausflug buchen sollte drin sein. Und genauso wie wir gebrochenes Deutsch verstehen, so tun es auch andere Länder. Keine Scheu also, wenn Sie grammatikalisch nicht so fit sind oder Ihnen mal das Wort nicht einfallen will.

7. Flunkern erlaubt

Ja gut, wir haben gelernt, immer ehrlich zu sein. Und das ist ja auch gut so. Aber wenn Sie alleine unterwegs sind, dürfen Sie sich ruhig auch mal einen Partner an Ihre Seite flunkern (der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt). Fragen Sie zum Beispiel nicht einfach nur nach dem Weg, sondern fügen Sie in einem Halbsatz noch hinzu, dass Sie mit Ihrem Mann verabredet sind. Manchmal kann es auch ganz sinnvoll sein, einen Fake-Ehering zu tragen (gilt besonders für alleinreisende Frauen). Aber bitte keinen Diamantklunker, das lockt nur wieder Diebe an.

8. Brotkrumen legen

Wir kennen diese Taktik aus dem Märchen Hänsel & Gretel. Da lässt der kluge Hänsel immer wieder einen Kieselstein fallen, um den Weg wieder zurück zu finden. Sie sollen das jetzt nicht wörtlich nehmen und bei jedem Ihrer Ausflüge Steine streuen. Aber erleichtern Sie Ihren Daheimgebliebenen im Fall der Fälle die Suche nach Ihnen. Schicken Sie regelmäßig eine SMS nach Hause, informieren Sie Ihre Liebsten, wenn Sie an einen anderen Ort reisen oder sagen Sie auch bescheid, wenn Sie für ein paar Tage durch den Dschungel wandern. Nicht dass ein Suchkommando los geschickt wird, wenn Sie sich zwei oder drei Tage nicht melden. Es ist auch ratsam anzugeben, mit wem Sie so unterwegs sind. Geben Sie eine kleine Personenbeschreibung inklusive Namen und Herkunftsland ab. Und informieren Sie zum Beispiel auch Ihre Unterkunft, wenn Sie einen Ausflug machen, etwa über ihr geplantes Ziel und wann Sie wieder zurück kommen. So kann im Notfall schnell reagiert werden.

9. Auf den Bauch hören

Die Gasse erscheint Ihnen zu dunkel und abgelegen? Der Taxifahrer macht einen unheimlichen Eindruck? Der Reisebus scheint Ihnen in einem zu schlechten Zustand zu sein? Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, wenn Ihnen etwas unheimlich erscheint. Sie reisen immerhin allein und niemand zwingt Sie dazu, dieses oder jenes zu machen oder zu dem bestimmten Zeitpunkt irgendwo zu erscheinen. Nehmen Sie das nächste Taxi. Erkunden Sie das Viertel am nächsten Tag, wenn es noch hell ist. Sie geben den Takt vor und Sie sind auch Ihr bestes Alarmsignal.

10. Einfach mal probieren

Sie haben sich jetzt (hoffe ich doch mal) durch die Liste gut gemeinter Ratschläge gekämpft. Aber eigentlich ist der wichtigste Tipp: Springen Sie über Ihren Schatten, probieren Sie es einfach mal aus, vergessen Sie alle Ängste und Vorurteile. Wenn Sie es mal probiert haben und es Ihnen nicht gefällt, dann wissen Sie es zumindest. Trauen Sie es sich zu, ich verspreche Ihnen, Sie werden es nicht bereuen.

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